Letzte Woche moderierte ich zusammen mit einem meiner Kollegen einen zweitägigen Großgruppen-Workshop. Wie immer sind solche Aufgaben sehr anspruchsvoll, möchten wir doch, dass der Kunde den größtmöglichen Nutzen davon hat. Intensive Vorbereitung und Abstimmung mit dem Auftraggeber im Vorfeld führen immer wieder zum Ziel. Dies ist in unseren Augen nichts Besonderes, vielmehr eine Selbstverständlichkeit.
Aber das eigentlich tolle Erlebnis war die Art und Weise wie Führungskräfte und Mitarbeiter während dieser zwei Tage miteinander umgingen. Die Atmosphäre war geprägt von einem sehr wertschätzenden und fairen Umgang miteinander. Eigentlich sollte auch dass eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber leider nicht! Nein, hier wurde wirklich das gelebt, was in vielen Unternehmen nur als leere Worthülsen auf Hochglanzpostern oder in Broschüren pflichtgemäß dokumentiert ist.
Und woran konnte man dies erkennen?
Über die gesamte Zeit wurde sehr offen diskutiert, die gesetzten Rahmenbedingungen akzeptiert. Es gab keine Tabuthemen, keine heiligen Kühe, alles konnte angesprochen werden, niemand hatte Angst, keiner befürchtete negative Konsequenzen. Vielmehr war die Atmosphäre völlig unaufgeregt und entspannt. Dieser Umgang miteinander war wohl für alle schlichtweg die normalste Sache der Welt.
Demzufolge waren die Ergebnisse des Workshops auch nicht wirklich überraschend. Gut reflektierte, fachlich einwandfreie Resultate, die die unterschiedliche Sichtweise der Betroffenen wiederspiegelten. Glückwunsch an die Truppe!
Doch warum findet man so ein miteinander in Unternehmen so selten? Es gibt unzählige Gründe dafür, hier nur einige Beispiele:
• Abgrenzung untereinander, jeder schaut nur auf seinen eigenen Vorteil
• Hidden Agenda
• Mitarbeiter werden nicht als wertvolle Person, sondern lediglich als unvermeidbarer Kostenfaktor angesehen
• Führungskräfte besitzen nur unzureichende Führungskompetenzen
• Nur auf die Finanzziele wird geachtet, Softfaktoren werden negiert
• Kurzfristiger Erfolg geht vor langfristiger Ausrichtung
Diese Aufzählung ließe sich nahezu endlos fortführen, die Brisanz wird aber auch durch diese wenigen Aspekte deutlich. Solange ein Unternehmen nicht ehrlich und konsequent am Miteinander arbeitet, solange werden weiterhin Chancen vertan, Fehler unter den Teppich gekehrt und die Belegschaft wird sich demzufolge nur unzureichend mit dem eigenen Unternehmen identifizieren. Eine wirklich kostspielige Angelegenheit!
Doch kommen wir zurück zur Abteilung, die diesen Workshop durchführte. Hut ab, Glückwunsch an alle, vor allem an den Chef. Nicht zuletzt durch sein integres Verhalten kann er auf eine loyale, motivierte Mannschaft bauen. Und ich wette, dies gilt auch für die Zukunft. Ein Beispiel, dass ich gerne öfter sehen würde!