Entwicklung und Förderung von Menschen

Carl Rogers kommt das große Verdienst zu, Beziehungen mit ihren Wirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung wissenschaftlich erforscht und damit einer psychologischen Betrachtung zugänglich gemacht zu haben. Er entwickelte seinen „Personzentrierten Ansatz“ aus den Erfahrungen von vielen hunderten von Gesprächen, die er im Rahmen seiner therapeutischen Arbeit führte. Dafür wurden Tonbandaufnahmen systematisch transkribiert und ausgewertet. Rogers Ansatz ist damit wohl einer der fundiertesten, empirisch nachgewiesenen psychologischen Ansätze.

Als Ergebnis definierte er die entscheidenden psychologischen Bedingungen, die in Beziehungen erfüllt sein müssen, um ein wachstums- und entwicklungsförderndes Klima zu erzeugen. Bahnbrechend für die Arbeit in der Personalentwicklung ist die Erkenntnis, dass sein Ansatz nicht nur in der Therapie Gültigkeit besitzt. Es ist ein Ansatz dessen Wirkungsfaktoren auf jede zwischenmenschliche Beziehung anwendbar sind. So entwickelte sich die therapeutische Beziehung zur „personzentrierten Beratung“.

Beziehung ist Entwicklungserfahrung
Er stellte fest, dass viele Klienten ein Selbstbild hatten, das jegliche Veränderung des eigenen Verhaltens verhinderte. Dieses starre innere System löste bei ihnen Emotionen wie Ängste oder Depressionen aus. Die Erkenntnis seiner Arbeit ist es, dass die Art und Qualität der Beziehung, die zwischen dem Therapeuten und dem Klienten entstand, die Grundlage für die Verbesserung des Gesundheitszustandes des Klienten war. Rogers sagt selbst: „Dieser Ansatz ist der erste, der die therapeutische Beziehung selbst als Erfahrung des Wachsens betont. Alle anderen aufgeführten Ansätze erwarten vom Individuum, dass es wächst, sich verändert und bessere Entscheidungen trifft, nachdem es die Beratungsstunde abgeschlossen hat. In der neueren Praxis ist der therapeutische Kontakt selbst eine Entwicklungserfahrung.“

Auch neurowissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen inzwischen die überragende Bedeutung der Beziehungserfahrung für den Menschen. Bauer schreibt dazu, „Giacomo Rizzolatti entdeckte bei seinen bahnbrechenden Experimenten [Spiegelneuronen, Anm. d. Red.] die neurobiologische Grundlage für die Erkenntnis, dass das menschliche Erleben, auch das Lernen, persönliche Beziehungen braucht, und dass es letztendlich nicht zum Erfolg führen wird, wenn bei der Erziehung und beim Spielen von Kindern, beim Unterricht von Schülern, in der Familie, aber auch am Arbeitsplatz direkte Kontakte zwischen Menschen immer mehr reduziert werden.“

Die Bedeutung der Beziehung im betrieblichen Leistungsprozess
Rogers stellt die Erfahrung in der Beziehung in den Mittelpunkt seines Konzeptes, um konstruktive Veränderungen, signifikantes Lernen und Wachstum beim Menschen zu erreichen. Somit wird die Beziehungsfähigkeit von Mitarbeitern in den Unternehmen zur Schlüsselkompetenz. Dieses neue Lernen gründet nach Rogers nicht darauf, wie gelehrt jemand ist, oder welche audiovisuellen Hilfen er einsetzt, sondern dieses signifikante Lernen hängt von den einstellungsbedingten Qualitäten ab, die in der persönlichen Beziehung zwischen dem Facilitator  und dem Lernenden existieren.

Schmidbauer schreibt dazu: „Wenn ein Therapeut es sich leisten kann, den Helfer-Nimbus abzulegen, hat seine Arbeit enge Beziehung zu dem, was ein Manager an Menschenführung leisten muss.“ Der Mitbegründer der Organisationsentwicklung Ed Schein hat in seiner langjährigen Beratungspraxis festgestellt, dass es in Hilfesituationen oft dysfunktional ist, sich zu sehr auf Technik oder Methoden zu konzentrieren anstatt auf die zwischenmenschliche Realität, die sich aus der Interaktion von Menschen ergibt, die eine Beziehung aufbauen wollen.  Die Integrationsfähigkeit des Menschen wird zum Ziel zukünftiger Personalentwicklung. Denn wenn das Individuum “genügend Integration gewinnt, um ein Problem unabhängiger, verantwortlicher, weniger gestört und besser organisiert zu bewältigen, dann wird es auch neue Probleme auf diese Weise bewältigen“, so Rogers.

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