Der Wert von Communities oder was bekomme ich denn dafür?

Diese Frage wird sowohl von potentiellen Teilnehmern eines Netzwerkes als auch von Entscheidern in der Wirtschaft häufig gestellt, wenn man mit ihnen über Communities of Practice (CoPs) redet. Diese Frage ist aus beiden Perspektiven absolut berechtigt. Da CoPs kein Selbstzweck sind und natürlich sowohl das Aufsetzen, Betreiben und Fördern wie auch das Mitmachen und die damit verbundene Interaktion mit den anderen Mitgliedern finanzielle und zeitliche Ressourcen benötigen.

Was bringt es mir? (Individuelle Perspektive)

Ein Netzwerk von Professionellen geeint durch eine gemeinsame Leidenschaft für ein Thema stellt in bestimmten Situationen einen großen Wert dar. Ich würde gerne 2 Situationen beschreiben und anhand von Beispielen belegen:

1. Situation: Ich habe eine dringende Frage und weiß nicht, an wen ich mich wenden soll
In Großorganisationen ist dies kein seltener Fall. Man weiß, es müsste zu einem Thema einen Experten geben, kennt ihn aber nicht und kann ihn aufgrund der Org.-charts auch nicht direkt zuordnen. Wen fragen? Normalerweise zieht man sein persönliches Netzwerk zu rate, wenn es aber eine CoP gibt, die sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigt, kann man dort eine spezifische Frage stellen, ohne den genauen Adressaten zu kennen, in dem Bewußtsein, daß viele die Nachricht lesen.

In dem Großkonzern, in dem ich 10 Jahre gearbeitet habe, war dies einer der häufigsten Anfragen in dem internen Netzwerk, bzw. eine der häufigsten Antworten. Das heißt, die Antworten waren nicht direkt inhaltlich sondern verwiesen auf den jeweiligen Experten. Gut gepflegte Yellow Pages hätten vielleicht das gleiche ergebnis erzielt, aber ich kenne noch kein Unternehmen, wo diese wirklich gut gepflegt waren. Wenn jemand dies liest und andere erfahrungen hat, wäre ich dankbar davon zu erfahren.

2. Situation: Ich suche eine Information, von der ich weiß, daß sie da ist
Gerade in der Anfangsphase von CoPs ist eine der häufigsten Aktivitäten, das Sammeln und Sortieren von relevanten Daten, Dateien und Erfahrungsberichten, die es zu einem Thema gibt. Nach unseren internen Untersuchungen bei über 100 CoPs war dies auch der zentrale frühe Nutzen (“quick win”) für die Mitglieder einer Community. Der Wissensschatz wurde zentral gepflegt, aufbereitet und zur Verfügung gestellt. So wurden direkte Suchkosten reduziert. Kostenreduktion war der schnelle Erfolg, gemeinsame Projekte, Innovation und gegenseitiges Befruchten und Lernen waren die Erfolge, die mehr Zeit brauchten.

Es gab kein Netzwerk, welches im ersten Jahr in diesen Bereichen vertreten war. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, den ich hier eigentlich gar nicht erwähnen wollte, der sich aber gut ergibt: Netzwerke brauchen Zeit. Zeit, zu Keimen und zu Reifen; Zeit zum Wachsen und zum Blühen. Nicht umsonst wird das Managen und Steuern von CoPs oft mit einer Gärtnermetapher beschrieben. Es geht mehr um das Pflegen und darum, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Das Wachsen und sich Organisieren übernimmt das Netzwerk von allein – wenn man es lässt.

Was bringt es dem Unternehmen?

CoPs sind eine effiziente Art und Weise Menschen, Wissen und Lernen miteinander zu verbinden. CoPs können zur 3. Kraft in Unternehmen werden, die nach den Kunden und der Aufbauorganisation gleichzeitig zur Stabilität und zur Flexibilität eines Unternehmens beitragen. Stabil ist das Netzwerk durch ein generisches Thema und eine relative Konstanz der Personen (im Vergleich zur sich z.T. halbjährlich ändernden Aufbauorganisation und immer neuen Modewörtern für sich ähnelde Aufgaben) und flexibel, weil es ein lockerer Verbund ist, der meist standortunabhängig agiert.

Es gibt einige Möglichkeiten der Berechnung eines ROI, die Etienne Wenger mal in einem Seminar in 2001 vorgestellt hat. Meine Erfahrung ist aber, daß sich der Wert von CoPs weniger durch finanzielle Kennzahlen als vielmehr durch viele positive Ereignisse und Geschichten erfassen lässt.

Wer hier andere oder auch ähnliche Erfahrungen gemacht hat, den lade ich hier zur Diskussion über die Kommentarfunktion ein. Ich freue mich schon auf Ihre Anmerkungen und Erfahrungen.

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One Response to “Der Wert von Communities oder was bekomme ich denn dafür?”

  1. Daniel Says:

    “Normalerweise zieht man sein persönliches Netzwerk zu rate, wenn es aber eine CoP gibt, die sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigt, kann man dort eine spezifische Frage stellen, ohne den genauen Adressaten zu kennen, in dem Bewußtsein, daß viele die Nachricht lesen.”

    Genau in diesem Punkt sehe ich den Kernnutzen einer CoP! Natürlich wird sich für einen langjährigen Mitarbeiter durch eine interne Community zunächst wenig ändern, im Gegenteil: Es entsteht evtl. sogar ein Mehraufwand. Aber gerade für neue Mitarbeiter oder bei Gesuchen außerhalb des eigenen Fachgebietes / Netzwerkes bietet eine organisierte und struktutierte Form des Austausches m.E. enorme Vorteile, u.a. durch Zeitgewinn, niedrigere “Zugangshürden” und einen nachvollziehbaren Informationsfluss.

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