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Erfolg = sinnvoll weiter

Eigentlich können wir den aktuellen Krisen  der Finanz- und Wirtschaftswelt dankbar sein. Dank- bar für die Erkennt- nis, dass die in west- lichen Kulturen vor- herrschende Defini- tion von ‚Erfolg’ diesen eben dauer- haft gerade nicht erzeugt. Vor allem das Zusammen- brechen globaler Systeme weist darauf hin, dass wir für weltweit und multi-systemisch geltende Zusammenhänge noch gar nicht genau wissen, welche Prinzipien es anzuwenden gilt, um Erfolge dauerhaft und nachhaltig zu erzielen.

Erfolg in unserer industriellen Leistungskultur bedeutet etwas Äußeres und faktisch Wahrnehmbares in Form konkreter Ergebnisse. Daher ist bei uns Erfolg eng verbunden mit bestimmten Größen, z.B. mit Einkommen, mit Besitz, mit Mitarbeiterspannen, mit Zeit usw. So besitzt auch die Größe der Geldmenge eine geradezu magische Bedeutung für viele. Und genau diese Erfolgsgröße zeigt durch das globale Zusammenbrechen der Finanzsysteme das falsche Denken unserer derzeit gültigen Erfolgsdefinition.

Versteht man Er-folg als ‚das auf etwas folgt’, ergibt er sich aus Handlungen, die auf den äußeren Erfolg, also eine bestimmte Größe, ausgerichtet sind. Kreativität, die sich auf eine äußere Erfolgsdefinition bezieht, bedeutet dann Wege zu finden, noch höheren oder besseren Erfolg zu erzielen als bisher. Aber genau diese Annahme, dass Erfolg ein unendlich linearer Anstieg von ‚noch besser bzw. noch mehr vom selben‘ bedeutet, lässt derzeit unsere Finanz- Wirtschafts- Sozialsysteme und auch das weltweite Klima kollabieren. Ausschließlich auf regelmäßig ansteigende äußere Ergebnisse programmierter Erfolg führt  also dauerhaft zur Vernichtung lebender Systeme, was auch die Gültigkeit der gegenwärtigen Erfolgsformel ‚mehr vom selben’ ab einer bestimmten Schwelle zunichte macht.

Was haben wir also bisher übersehen, wenn wir versuchen erfolgreich zu sein? Oder ist die Evolution womöglich doch auf ihre eigene Vernichtung programiert, wie es uns manche Prophezeiung für das Jahr 2012 glauben machen will?

In der gesamten Evolution des Lebendigen, also seit vielen Milliarden Jahren,  lässt sich durchgängig das Prinzip der Entwicklung des Naturgemäßen erkennen. Das lebendig Naturgemäße ist einerseits etwas, das sich unter bestimmten Voraussetzungen (Umweltbedingungen) bereits bewährt hat und andererseits aufgrund veränderter Anforderungen dieser Umwelt völlig neue Möglichkeiten und Fähigkeiten herausbildet –  ein sinnvolles Zusammenwirken von Tradition und Neuschöpfung also. Dieses Prinzip finden wir in der Entwicklung von einer einfachen Zelle bis hin zur Entwicklung des menschlichen Gehirns.

Mit dieser Erkenntnis, Evolution als Balance aus Vergangenem und Neuem, kommen wir auch auf die Spur des Fehlers in der Erfolgsformel unserer westlichen Kulturen: ‚Mehr vom selben’ richtet den  Blick ausschließlich auf Vergangenes und erneuert dabei lediglich die Fähigkeiten das Ziel ‚mehr bzw. besser’ zu erreichen. Das Erschaffen von etwas völlig Neuem,  dass sich mit dem Vorangegangenen ergänzt, ist in der vorherrschenden Erfolgsformel nicht beeinhaltet. Während der Kulturepoche der Industrialisierung hat dieses begrenzte Denken dennoch zu einem rasanten technischen Fortschritt geführt, der natürlich auch viele Annehmlichkeiten und Erleichterungen für Menschen mit sich gebracht hat. Die Kosten des unvollständigen Erfolgsdenkens zeigen sich jedoch nun nach ca. 200 Jahren im Zusammenbrechen natürlicher Bedingungen.

Wie integrieren wir also das Neue so in unsere Erfolgsformeln, dass daraus eine naturgemäße (statt systemzerstörende) Evolution entsteht? Wer oder was steuert eine naturgemäße Evolution?

Betrachten wir die Evolution im Pflanzen- und Tierreich, können wir dort zunächst eine genetische, später instinkthafte Steuerung erkennen. Weiterentwicklung kann sich also hier nur durch die entsprechende Veränderung der Gene bzw. des Instinkts von Lebewesen vollziehen. Die Zeiträume für diese Art der Evolution sind sehr lange, biologische Evolution schreitet sehr langsam fort.

Mit der Weiterentwicklung des Nervensystems und der Herausbildung des Gehirns können wir beim Menschen das Entstehen von Bewusstsein seiner Selbst erkennen und gleichzeitig eine vorher unvorstellbare Beschleunigung der Evolution. Das menschliche Bewusstsein bedeutet einen Übergang von der Instinkt- zur Selbststeuerung und stellt etwas völlig Neues und Einzigartiges in der gesamten Evolution dar.  Nur der Mensch kann dadurch seine genetischen und instinktbezogenen Fähigkeiten mit erkenntnisbezogenen Möglichkeiten ergänzen und erweitern.

Erkenntnisbezogene Selbststeuerung bedeutet also einerseits die Krönung bisheriger  Evolution, andererseits, und dies zeigte schon die biblische Metapher der ‚Vertreibung aus dem Paradies’, bedeutet Erkenntnis dann  auch die Selbstverantwortung des Menschen diese neue Fähigkeit auch im Sinne einer naturgemäßen Evolution einzusetzen.

Die Fähigkeit zur erkenntnisbezogenen Selbststeuerung bringt also gleichzeitig die Verantwortung des Menschen für eine naturgemäße Evolution mit sich, der Mensch wird selbst zum Systemelement der Evolution. Und wenn wir Menschen uns dieser Verantwortung stellen, erkennen wir auch unsere Eingebundenheit in und auch Abhängigkeit von der Natur (z.B. CO²-Gehalt der Atemluft). Evolution im Zeitalter der erkenntnisbezogenen Selbststeuerung ist somit eine dem Naturgemäßen verpflichtete, sinnvolle Weiterentwicklung. Dies gilt für die Menschheit insgesamt und auch für jeden einzelnen Menschen selbst. Und vielen Menschen ist die Bedeutung der Selbstverantwortung für ihr eigenes Leben noch nicht (voll) bewusst.

Für jeden einzelnen Menschen bedeutet dann ‘sinnvoll‘ immer auch das Entdecken und Wahrnehmen des eigenen Naturgemäßen. Den Maßstab für Sinn und das Naturgemäße trägt jeder Einzelne in sich selbst als etwas Einzigartiges und Evolutionäres. Sinn aus der Perspektive des Menschen (als erkenntnisgesteuertes Wesen) ist das,  was jeder Einzelne der Evolution an Neuem in Verbindung zum Vorangegangenen hinzufügt.

Das einzigartig Naturgemäße  und individueller  Sinn ist nur im Inneren des Menschen, nie im Äußeren zu finden, denn das Neue ist immer eine Schöpfung, eine Kreation, die es zuvor nicht gegeben hat. Das Erkennen des Neuen, das Zulassen des Schöpferischen ist also das bisher fehlende Element unseres gesellschaftlichen Erfolgsdenkens. Nicht ‚mehr vom selben’ sondern ‚sinnvoll weiter’ könnte das Erfolgsmotto der kommenden Generationen heißen.

Die Fähigkeit zum Erkennen des individuell Sinnvollen bedeutet ein Loslassen von  äußeren, vorgegebenen Erfolgsdefinitionen und ein Öffnen für das, was das eigene Naturgemäße an Sinnbezug herstellt. Dieser Schritt bedarf auch gleichzeitig Mut, denn der innere Sinnbezug zeigt (zunächst) meist  in eine andere Richtung als die man aufgrund einer ausschließlich äußeren Erfolgsorientierung eingeschlagen hatte. Die Verantwortung für den individuellen Sinn lässt andere Werte im Leben wichtig werden, vielleicht sogar solche, die im Widerspruch zu denen einer äußeren Erfolgsdefinition stehen. Der Lohn des innengesteuerten Erfolgsweges hängt dann eben auch nicht an einer permanent ansteigenden Größe oder am steten Beifall von anderen, sondern zeigt sich in der Zufriedenheit eines sinnvollen, möglicherweise glücklichen Lebensvollzuges.

Persönliche Werte¹ erfahren wir als eine gefühlte innere Zustimmung, als ein inneres ‚Ja’ zu etwas, das nach außen zur Verwirklichung drängt. Werte können sich auf  ein schöpferisches Hervorbringen und Erfinden von Ideen oder konkreten Dingen (Werkschaffen) beziehen. Werte drücken sich auch im sozialen Erleben aus und drängen den Menschen zur Integration oder Neu- und Umgestaltung einer sozialen Gemeinschaft. Werte beziehen sich auch auf bestimmte Überzeugungen und Ideale von religiösen, politischen oder künstlerischen Gemeinschaften. Bei jedem Menschen sind verschiedene Werte zu einem Geflecht bzw. Muster verbunden. Nur die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung, als wesentliche Voraussetzung zur Selbsterkenntnis ermöglicht uns mit entsprechender Zeit, Raum und Übung unsere Werte zu erkennen und daraus unsere ganz persönlichen Erfolgsdefinitionen abzuleiten. Ein sinnvolles Leben in bewusster Selbstverantwortung beginnt also mit der Selbstdistanzierung.

In meinen Seminaren Persönliche Einzigartigkeit entdecken  lade ich Sie zur Ihrer Erfolgsreise in die persönliche Selbstverantwortung ein. Haben Sie den Mut dazu?

¹ vgl. Dr. Walter Böckmann, Universität Bielefeld, Littera Publikationen, 2007

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