Veraenderungen schleichen sich an…
Seit einigen Jahren fotografiere ich mit digitalen Kameras. Die ersten Fotos wurden noch auf Fotopapier übertragen (= entwickelt). Aber nach einiger Zeit wurden die Bilder nicht mehr auf Papier realisiert, sondern (nur noch) auf Datenträgern gesichert. Und am Bildschirm angeschaut. Inzwischen haben selbst kleinste Geräte zum Fotographieren (selbst Produkte deren primäre Aufgabe es ist, telefonieren zu ermöglichen) eine Qualität erreicht, daß der Alltagsknipser voll zufrieden sein kann, wenn er seine Fotos via elektronischem Bilderrahmen an die Schwiegermutter weitergibt.
Mit akustischen Konserven ist es ähnlich gegangen: war in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts die CD die Errungenschaft der Zukunft so werden inzwischen nur noch sehr viel weniger Silberscheiben verkauft. Heutzutage lädt man/frau seine Musik aus dem Internet! Wenn ich meine Musik-Wandler anschaue, dann überwiegt hier auch eindeutig die Computertechnik: Das (Internet-)Radio arbeitet mit UNIX, der DVD-Recorder sowieso und die Musik ist schon seit Jahren auf einem kleinen Kästchen gespeichert, daß - wie altmodisch - noch eine Festplatte zum Datenspeichern hat! Große, schwarze Platten (.. ein Plattenspieler wurde erneut angeschafft!) und die kleinen silbernen Scheiben fristen nur noch ein Schattendasein im Schrank!
Allerdings gibt es auch so gut wie keine "Fotogeschäfte" mehr - wozu auch. Dergleichen gilt für "Plattenläden". Maximal die großen Handelsunternehmen bieten noch CD´s an. Und den "Ausdruck" der Fotos macht der Tintenstrahldrucker zuhause bzw. der Drogeriemarkt nebenan.
Und unsere Arbeitsprozesse? Es quält sich immernoch eine gewaltige Blechlawine morgens ins Büro und abends zurück. Und obwohl heutzutage jeder (!) ein Mobil-Telefon hat, bezahlen wir immernoch mit Bargeld! Und es soll ja noch Menschen geben, die beziehen noch eine Tageszeitung, aus Papier!
Aber das Automobil lassen wir uns nicht nehmen. Oder hat da der Computer auch schon die Kontrolle übernommen? Ich habe neulich erlebt wie die Werkstatt ohne Ergebnis des Diagnose-Computers völlig hilflos war. Hoffentlich geht es den Werkstätten nicht eines Tages so, wie vor Jahren den Reisebüros - Sie errinnern sich vielleicht, das waren Händler die Reise-Tickets verkauft haben....
TREND
Unlängst habe ich einen Artikel gelesen, demzufolge für junge Leute (bis 30 Jahre Lebensalter) heutzutage ein schickes Mobiltelefon bzw. ein entsprechender Computer wichtiger ist als ein Auto.
Nun hat dieser Trend - beeinflusst durch die Wirtschaftskrise - auch die letzte Bastion der Marktwirtschaft erreicht: die Immobilie! Bedingt durch die Veränderungen der ökonomisch geprägten Lebensbedingungen wird das eigene Haus/Wohnung zum Auslaufmodell:
Das Eigenheim im Grünen war der Traum der Menschen im Industriezeitalter. Sie bleiben oft ihr gesamtes Arbeitsleben beim gleichen Unternehmen und investierten daher einen guten Teil in ihr Haus. Heute ist diese Lebensweise international nicht mehr gefragt. Den schlimmsten Schaden hat die Immobilienkrise nicht unbedingt auf den Finanzmärkten angerichtet, sondern in den langfristigen Wettbewerbsnachteilen, die durch unflexible Arbeitskräfte entstanden. *
Das bedeutet somit:
In der postindustriellen Gesellschaft drängt es die Menschen wieder zurück in die Städte. Sie üben eine starke Anziehungskraft auf junge, mobile und gut ausgebildete Leute aus. Es entstehen so Megaregionen, die mit Hochgeschwindigkeitszügen verbunden werden. In diesen Städten wird das Velo zum Statussymbol dieser neuen Schicht. Auto und Eigenheim verlieren an Anziehungskraft. Stattdessen müssen wir anfangen, sowohl die städtischen Räume als auch die umliegenden Vorortringe klüger zu nutzen, komfortablen erschwinglichen Wohnraum für mehr Mensch zu schaffen und dabei für höhere Lebensqualität zu sorgen.*
* zitiert aus "Wohneigentum ist doof" - in: www.tagesanzeiger.ch, vom 8. 9. 2010
Erstaunlicherweise gibt es in Deutschland immer noch eine starke Nachfrage nach Bausparprodukten (.. die es in dieser Form wohl auch nur hier gibt). Genau wie dieses Festhalten an "alten" Methoden und Prozessen - die unzweifelhaft früher ihren Sinn gehabt haben, z. B. zum Wiederaufbau nach dem II Weltkrieg - wird diese Einstellung den Anpassungsprozess verlangsamen. Die Globalisierung wird also noch einwenig warten müssen.
HGO