Schlagwort: Führung

Der Umgang mit Veränderungen und die steigende Komplexität sind nicht mehr mit einem traditionellen Denksystem von Führung steuerbar. Schlanke und agile Unternehmen mit flachen Hierarchien, Selbstorganisation und Arbeiten auf Augenhöhe stellen vielerorts das hierarchische Verständnis von Führung in Frage. Mit unseren Veranstaltungen zu der Perspektive Führung wollen wir einen Beitrag zu einem modernen Führungsverständnis leisten. Unsere Erfahrungen aus Beratungsprojekten sind in unserer aktuellen Buch- veröffentlichung „Leadership für eine neue Zeit“ niedergeschrieben. Diese Inhalte wollen wir in unseren geplanten Veranstaltungen mit Führungskräften, Personal- und Organisationsentwicklern, Beratern und Trainern vertiefen. In unseren Veranstaltungen geben wir den Teilnehmern systemische Konzepte und Tools an die Hand. Führungskräfte bleiben damit in einer volatilen, un- sicheren, komplexen und ambivalenten Unternehmenswelt weiterhin hand- lungsfähig. Wir erleben, dass sich Führungskräfte aktuell sehr für systemische Konzepte interessieren. Das rege Interesse führte beispielsweise dazu, dass wir die Themengebiete unseres jährlich stattfindenden Vorkongresses im Rahmen zweitägiger Workshops mit Ihnen vertiefen möchten.

Als Personal- und Organisationsentwickler zeigen wir Ihnen neue Modelle systemischer Führung, unterschiedliche Möglichkeiten der Einführung in Ihrer Organisation und die Anreicherung bestehender Programme. Als Berater, Trainer & Coach lernen Sie systemische Führungskonzepte kennen und erfahren, wie Sie Ihr Angebot mit diesen Perspektiven ergänzen. Sie alle sind in unseren unterschiedlichen Veranstaltungen herzlich Willkommen. Wir freuen uns auf Sie.

Unterföhring, im November 2016

Thilo Leipoldt
Geschäftsführender Gesellschafter des system worx Instituts

Bild: Personalmagazin

Welche Voraussetzungen müssen Organisationen und Teams mitbringen, um selbstorganisiert arbeiten zu können? Wie viel Selbstorganisation passt zu Ihnen?

In der August-Ausgabe 2018 des Personalmagazins stellen Jaakko Johannsen und Sven Lübbers unseren Selbstcheck für die  Selbstorganisations-Readiness vor. In dem Artikel „Bereit für die Selbstorganisation?“ fassen sie zusammen, welche fünf Handlungsfelder bei der Einführung von selbstorganisiertem Arbei­tenin den Blick genommen werden müssen:

  • Sinn und Zweck
  • Kultur
  • Führung
  • Prozesse und Strukturen
  • Mitarbeiter-Kompetenzen

Das Handbuch und den Fragebogen „Selbstorganisations-Readiness“ können Sie hier erwerben.

Den Artikel können Sie hier downloaden (PDF).

Weitere Informationen zur SO-Readiness

 

Quelle: Jaakko Johannsen, Sven Lübbers: „Bereit für die Selbstorganisation“, Personalmagazin, 08/2018, S. 42-45.

 

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Based on our experience, leadership takes place within areas of tension of different topics and perspectives. We have identified three relevant dimensions that can help to assess a status quo as a leader: Relation, Regulation, Position.

The poles of the dimensions help define, how leaders need to adapt their leadership behavior according to the situation and the level of complexity in order to be effective.

In the videos below Markus Schwemmle, managing partner of system worx, gives you a short introduction to the three leadership dimensions and the system worx leadership cube. Especially for former participants of our leadership development programs the videos serve to refresh their memories and (re-)reflect on their leadership behavior.

You can buy the leadership cube in english and german via our website.

Position

Regulation

Relation

Führung findet aus unserer Sicht immer im Spannungsfeld unterschiedlicher Themen und Perspektiven statt. Wir haben drei relevante Dimensionen definiert, die dazu genutzt werden können, um als Führungskraft eine eigene Standortbestimmung vorzunehmen. Als Berater können die Dimensionen für Auftragsklärung mit Führungskräften genutzt werden.

Die Pole der Dimensionen helfen dabei zu bestimmen, wie Führungskräfte das eigene Führungsverhalten der Situation und der Komplexität entsprechend so anpassen können, dass sie größtmögliche Wirksamkeit erzeugen.

In den nachfolgenden Videos gibt Markus Schwemmle, Geschäftsführender Partner von system worx, eine kurze Einführung zu den drei Führungsdimensionen und dem system worx Führungswürfel. Insbesondere den Teilnehmern unserer Führungskräfteentwicklungsprogramme helfen die Videos, die Inhalte aufzufrischen und das eigene Führungsverhalten (erneut) zu reflektieren.

Außerdem können Sie einen Leitfaden für den Führungswürfel downladen:

Den Führungswürfel können Sie auf deutsch und englisch über unsere Webseite erwerben.

Position

Regulation

Beziehung

 


Führungsarbeit findet aus unserer Sicht immer im Spannungsfeld unterschiedlicher Themen und Perspektiven statt. Für viele Führungskräfte ist dieser Aspekt der Führungsarbeit etwas, das sie energetisiert und Spaß macht.

In Zeiten niedriger persönlicher Energie, andauernden Konflikten oder auch wirtschaftlichen Schieflagen wird aus kraft- und wirkungsvoll getragener Verantwortung manchmal eine Last. Kompromisse folgen und Entscheidungen in diesen Spannungsfeldern führen zu persönlicher Abgrenzung, die insgesamt die Leistungsfähigkeit des Systems von denen, die Führen und denen die geführt werden, einschränken. Damit Führung tragbar und tragfähig bleibt geht es aus unserer Sicht vor allem darum, wieder eine Balance oder einen Ausgleich zwischen den Dimensionen herzustellen. Und statt Entscheidungen sollte aus unserer Sicht besser Sinn gefunden werden.

Dieser Raum der Sinnfindung in Führungsverantwortung wird durch unseren Führungswürfel symbolisiert. Er spannt einen dreidimensionalen Raum auf, in dem Führung stattfindet. Unser Ziel damit ist, die Selbsterkenntnis zu fördern und die Wahlmöglichkeiten in Führungssituationen zu vergrößern.

Diese kurze Anleitung dient der Selbstreflexion und der persönlichen Standortbestimmung in Führungssituationen. Wenn Sie so wollen ist er ein Element zum Selbstcoaching. Ein persönliches Gespräch kann sie nicht ersetzen, aber einen inneren Dialog anstoßen, der kollegial mit Führungskräften auf derselben Hierarchiestufe, mit Vorgesetzten und in untergeordneten Ebenen fortgesetzt werden kann. Der Würfel kann auch zur Vorbereitung von Coachingsequenzen oder zur Auftragsklärung mit Coaches oder Personalentwicklern eingesetzt werden.

Im Folgenden finden Sie jeweils eine kurze Beschreibung von Dimensionen und Leitfragen zur Standortbestimmung. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg, Freude und Sinn bei der Nutzung des Würfels.

Dimension: Position

Systemgestaltung

Je nach Hierarchieebene gibt es unterschiedliche Aufträge bzw. Aufgaben zur Gestaltung des Systems. Dabei müssen zwei Grundprinzipien beachtet oder in Einklang gebracht werden. Einerseits geht es um die Steigerung der Effizienz eines Systems. Andererseits soll die Weiterentwicklung ermöglicht werden, also geht es um den nachhaltigen Erhalt oder gar die Steigerung der Effektivität.

  • Auf einer Skala von 0-9: Wie ist der Reifegrad meines derzeitigen Systems
    (0 = desolat, nicht mehr zukunftsfähig / 9 = ausgereift und zukunftsfähig)
  • Welche guten Gründe gibt es, das System zu verändern?
  • Wo soll die Reise hin gehen?
  • Was muss langfristig angegangen / verändert werden?
  • Wer kann unterstützen?

Operative Tätigkeiten / Wertschöpfungskette

Die operativen Tätigkeiten in einer Organisation werden oft als Wertschöpfungskette abgebildet. In einem Verantwortungsbereich kommen Aufträge an, werden auf eine bestimmte Art und Weise verarbeitet und anderen Bereichen oder dem Kunden zur Verfügung gestellt.

  • Auf einer Skala von 0-9: Wie ist der Reifegrad der momentanen operativen Tätigkeiten
    (0 = ungeordnet, keine Standards / 9 = klare Verantwortungsstruktur, stimmige Standards)
  • Was sind unsere operativen Stärken? Was zeichnet uns aus?
  • Wo sind derzeit die größten Hürden in der Wertschöpfungskette? Wo passieren die meisten Fehler? Wo wird am meisten nachgebessert? Wo verlieren wir Zeit? Was könnte mit Gewinn automatisiert oder standardisiert werden?

Dimension: Beziehung

Hierarchie

Die Hierarchie bildet das formelle Verantwortungssystem der Organisation ab und zeigt, wer wem Antworten (z.B. im Sinne von Nachweis von Ergebnissen) geben muss.

  • Auf einer Skala von 0-9: Wie hoch ist der Reifegrad der Hierarchie in meinem Verantwortungssystem (0 = unklare Verantwortung, keine Ziele oder Orientierung / 9 = klare Verantwortung, klare Ziele und Aufgabenverteilung)?
  • Wie gut ist die Zusammenarbeit vertikal (von oben nach unten), horizontal (abteilungs-oder bereichsübergreifend) und lateral (ohne direkte Führungsbeziehung)?
  • Wo ist die formelle Ordnung hilfreich und unterstützt meine (Führungs-)arbeit? Wo erlebe ich Hindernisse und Barrieren?
  • Durch was ist mein Führungsstil in der Hierarchie gekennzeichnet? Wie würden ihn meine Vorgesetzten und Mitarbeiter beschreiben?
  • Wenn Konflikte auftreten: Wer fühlt sich für Konfliktmanagement zuständig? Auf welche Art und Weise werden Konflikte bearbeitet, gelöst oder eskaliert?

Netzwerk

Das Netzwerk bildet die informellen Beziehungen über Funktionsgrenzen hinweg ab. Häufig formt sich ein Netzwerk durch längere Betriebszugehörigkeit in wechselnden Rollen aus. Das Netzwerk aus informellen Beziehungen durch die Organisation ermöglicht oder verhindert Aktivitäten jenseits hierarchischer Steuerung.

  • Auf einer Skala von 0-9: Wie hoch vernetzt erlebe ich die Organisation (0 = keine informellen Beziehungen, Wirkung nur über die Hierarchie / 9 = hohe Vernetzung, Umsetzung gelingt vor allem durch Netzwerk)?
  • Mit wem bin ich vernetzt und auf welche Art kann ich bei der Umsetzung auf mein Netzwerk zurückgreifen? Auf welche Schlüsselpersonen kann ich zählen?
  • Welche Netzwerke im Unternehmen stehen meinen eigenen Vorhaben im Weg? Wer sind Schlüsselpersonen, die mich heute (noch) nicht unterstützen?
  • Welche Kraftfelder sind für meinen Verantwortungsbereich interessant, bzw. wie könnte ich diese erzeugen, erschließen, nutzen oder zu diesen konstruktive Beiträge leisten?

Dimension: Regulation

Führungsrolle

Im Zentrum der Führungsrolle steht die Verantwortung des Rolleninhabers, die durch die Führungsaufgabe (WAS ist zu tun) und die gelebte Haltung (WIE wird die Rolle ausgefüllt) definiert wird. Jede Rolle ist charakterisiert von den Erwartungen aus der Organisation an einen Rolleninhaber bezogen auf die Führungsaufgaben.

  • Welche Fähigkeiten verlangt meine Führungsrolle (KÖNNEN)?
  • Was ist meine eigene Motivation (WOLLEN) in meiner Rolle?
  • Für was bin ich autorisiert (DÜRFEN)?
  • Für was werde ich zur Rechenschaft gezogen (MÜSSEN)?
  • Welche Abweichungen zwischen Ist und Soll erlebe ich in den vier Dimensionen?

Führungspersönlichkeit

„Personare“ kommt von „Durchtönen“. Wie wir unsere Rollen leben ist in aller Regel unverwechselbar mit unserer Persönlichkeit verbunden. In diesem Bereich ist der eigene Anspruch bzw. die eigene Ambition jenseits der Führungsrolle entscheidend. Auch innere Muster und Konflikte haben einen entscheidenden Einfluss auf die Führungsleistung.

  • Welche Werte sind mir in meiner Art der Führung besonders wichtig (z.B. Erfolg, Gerechtigkeit / Fairness, Klarheit, Würde, Sicherheit, Ergebnisorientierung,…)?
  • Was ist mein persönlicher Anspruch? Was meine Ambition? Was will ich in Führung ganz persönlich erreichen? Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehe ich für mich als Person durch die Möglichkeit in Führung zu sein?
  • Welche Gedanken und Gefühle in Führungssituationen sind im Moment charakteristisch? Welche bringen mich weiter bzw. fördern die Produktivität in meinem Verantwortungsbereich? Welche sind eher hinderlich?
  • Auf welche Art und Weise trägt mein körperliches Befinden zu meiner Führungsleistung bei oder hindert mich in bestimmten Situationen?
  • Wie verkörpere ich Führung?

Übersicht und Fazit

  • Wie ist im Moment die Balance zwischen den einzelnen Dimensionen?
  • Wie könnte sich durch eine Veränderung im Fokus meine Wirksamkeit als Führungskraft verbessern?
  • Wo liegen die größten Hebel bzw. Optimierungsmöglichkeiten?

 

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Why Change Initiatives fail and How to end up in the 25% that succeed.

On March, 12  we invite you to spend A Day with Dr. John Scherer. As a leadership and change-facilitator for the past 40 years John will talk with you about Why Change Initiatives fail and How to end up in the 25% that succeed.

In this Learning Conversation we interviewed John to get a picture of who he is (1:20) and what the event Changing the CHART + and Changing the HEART will be about.

Therefore Markus applied the five questions that John uses to ask himself:

10:45 What confronts you?
16:38 What will you bring?
20:14 What runs you?
24:31 What calls you?
27:58 What unleashes you?

Do you want to get a slight Impresseion of John and the event? Watch the Trailer!
Want to learn more about John and the event? Watch the whole Learning Conversation:

Read more about the event.

Learn more about John and his team.

 

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September 2018
Laterale Führung – Grundgedanken und Impulse für Trainings

von Veronika Völler & Sven Lübbers

Laterale (oder fachliche) Führung ist aus der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Mit ihr gehen viele Herausforderungen einher und somit auch für die Qualifizierung von lateralen Führungskräften. In diesem White Paper gehen wir auf die Herausforderungen lateraler Führung ein sowie auf das Drei-Säulen-Modell, welches erklärt, wie mit diesen Herausforderungen umgegangen werden kann. Wir beschreiben, wie wir Trainings zum Thema Laterale Führung gestalten und geben Trainern und Beratern Ideen für die Trainingsgestaltung und lateralen Führungskräften Impulse für die eigene Arbeit.

Veranstaltungshinweis

Seminare, Workshops und mehr zum Thema Führung

Die Antwort auf die zunehmende Komplexität ist der Abbau von Hierarchien und der Ruf nach Selbstorganisation. Mit unseren Veranstaltungen zu der Perspektive Führung leisten wir einen Beitrag zum Wandel des Führungsverständnisses in Wirtschaftsunternehmen. In diesem Wandel ist Führung nicht mehr nur den Führungskräften vorbehalten. In Zukunft geht Führung jeden an. Der Ruf nach Selbstorganisation setzt Selbstführung voraus. Diesem Wandel tragen wir mit unseren Veranstaltungen Rechnung.

Unsere Veranstaltungen rund um das Thema Führung finden Sie hier.

Kontaktieren Sie uns für mehr Informationen.


Veronika Völler & Sven Lübbers

Laterale Führung – Grundgedanken und Impulse für Trainings

Abstract

Laterale (oder fachliche) Führung ist aus der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Mit ihr gehen viele Herausforderungen einher und somit auch für die Qualifizierung von lateralen Führungskräften. In diesem White Paper gehen wir auf die Herausforderungen lateraler Führung ein sowie auf das Drei-Säulen-Modell, welches erklärt, wie mit diesen Herausforderungen umgegangen werden kann. Wir beschreiben, wie wir Trainings zum Thema Laterale Führung gestalten und geben Trainern und Beratern Ideen für die Trainingsgestaltung und lateralen Führungskräften Impulse für die eigene Arbeit.

Einstieg

“Führung ist zu wichtig, um sie nur Führungskräften zu überlassen” (Oestereich, 2017). Dieses Zitat beschreibt treffend die Situation in heutigen Organisationen. Immer mehr Unternehmen arbeiten – zumindest teilweise – in Matrix-Strukturen und die Anzahl der Projekte nimmt stetig zu. Klassische, hierarchische Führung ist nicht in der Lage, diese Komplexität zu bewältigen. Führungskräfte sind zu weit weg von ihren Mitarbeitern und haben schlicht und ergreifend nicht die Zeit, jedem zu sagen, was er oder sie zu tun hat. Durch die Einführung von sogenannten fachlichen (lateralen) Führungskräften wird diese Führungsaufgabe an die Mitarbeiter weitergegeben. Aber auch im Zuge von agilem und selbstorganisiertem Arbeiten wird die Führungsrolle nicht mehr ausschließlich der Führungskraft zugeschrieben, sondern je nach Thema bestimmten Personen in der Organisation oder im Team.

Herausforderungen der lateralen Führung

Der entscheidendste Unterschied zwischen hierarchischer und lateraler Führung ist, dass eine laterale Führungskraft keine direkte Weisungsbefugnis besitzt. Dies ist gleichzeitig für viele unserer Trainingsteilnehmer eine der größten Herausforderungen: “Wie bringe ich Menschen dazu, etwas zu tun, wenn ich es ihnen nicht anordnen kann?” Laterale Führungskräfte verfügen in der Regel über begrenzte finanzielle und organisatorische Ressourcen. So können sie auch nicht frei über die Ressourcen ihrer (Projekt-)Mitarbeiter verfügen. Die Zusammenarbeit bzw. das Verhältnis zwischen lateraler Führungskraft (häufig Projektleiter) und den disziplinarischen Führungskräften der Projektmitarbeiter ist daher von besonderer Bedeutung.

Laterale Führungskräfte arbeiten häufig in interdisziplinären Projekten. Nicht immer sind sie fachliche Experten. Dies könnte zu einem Autoritätsverlust führen. Die Projekte sind meist zeitlich begrenzt. Aufgrund der steigenden Internationalisierung sind face-to-face Treffen, Meetings und Gespräche nicht immer möglich. Der Aufbau von Vertrauen wird erschwert.

Mit der Projektarbeit und vor allem der gleichzeitigen Arbeit an verschiedenen Projekten geht zudem häufig ein erhöhter Kommunikationsbedarf einher.

Um laterale Führung erfolgreich auszuüben, sind daher neue und andere Kompetenzen für die Betroffenen von Bedeutung. Ähnlich wie auch Führungskompetenzen aufgebaut und optimiert werden sollten, ist es wichtig, die Personen zu qualifizieren und die Schlüsselstellen im Unternehmen besetzen.

Grundgedanken

Die drei Säulen des lateralen Führens

Laterale Führungskräfte erleben häufig ein Problem. Sie haben das Gefühl, ihre Mitarbeiter nicht beeinflussen zu können, weil sie keine hierarchische Macht besitzen. Kühl et al. (2004) beschreiben drei Perspektiven, aus denen heraus laterale Führungskräfte Möglichkeiten ableiten können, den Einfluss auf ihre Mitarbeiter auszubauen. Diese sind Vertrauen, Kommunikation/Verständigung und Macht. Ein Video zu den drei Säulen finden Sie in unserer Mediathek.

Vertrauen

Vertrauen stellt für alle Arbeitsbeziehungen eine wichtige Grundlage dar. Auch in der lateralen Führungsbeziehung ist sie eine wichtige Ressource. Wenn Mitarbeiter ihrer lateralen Führungskraft vertrauen, dann lassen sie sich leichter leiten, überzeugen und im positiven Sinne beeinflussen. Vertrauen besteht dabei u.a. aus folgenden Aspekten:

  • Kompetenz:
    Können Mitarbeiter darauf vertrauen, dass ihre laterale Führungskraft weiß was sie tut?
  • Verlässlichkeit:
    Können sich Mitarbeiter darauf verlassen, dass Zusagen eingehalten werde?
  • Wertschätzung:
    Erleben Mitarbeiter Wertschätzung für die erfolgreiche Erledigung ihrer Aufgaben?

Kommunikation/Verständigung

Laterales Führen lebt natürlich von Kommunikation. Da Kommunikation ein weites Feld ist, sind folgende Aspekte unserer Erfahrung nach besonders erfolgskritisch:

  • Verständigung
  • Verbindlichkeit
  • Überzeugungskraft
  • Umgang mit Konflikten
  • Feedback geben und nehmen

Die Verständigung zwischen den Mitarbeitern sicherzustellen, ist wichtig. Besonders weil Projektteams nicht immer am gleichen Ort sitzen und Projektteilnehmer an unterschiedlichen Projekten arbeiten, ist es wichtig, die Kommunikation untereinander aufrecht zu erhalten, miteinander in Kontakt zu bleiben. Auch Verbindlichkeit herzustellen erleben viele Teilnehmer als Herausforderung.

Neben diesen Aspekten ist die Überzeugungskraft von lateralen Führungskräften entscheidend. Zum einen, um die eigenen Projektmitarbeiter für das Projekt zu begeistern, von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen und für die einzelnen Aufgaben zu motivieren.

Zum anderen, um Stakeholder und Unterstützer für das Projekt zu gewinnen. Dabei gilt es, unterschiedliche Überzeugungsstile zu berücksichtigen.

Zudem gehört auch der konstruktive Umgang mit Konflikten, das Vermitteln zwischen Parteien und das Teilen von Feedback zu den wichtigen Kompetenzen von lateralen Führungskräften.

Macht

Das Thema Macht ist in den Trainings, die wir geben am meisten erklärungsbedürftig. Denn “als laterale Führungskraft hat man ja gar keine Macht”, ist zumeist die Meinung der Teilnehmer. Doch auch wenn keine hierarchische Macht vorhanden ist, hat die laterale Führungskraft unterschiedliche Möglichkeiten, mit Macht umzugehen:

  • (Macht-)Netzwerke und Strukturen erkennen, pflegen und nutzen
  • Status aufbauen
  • Machtquellen erkennen und nutzen

Ein wichtiges Element ist das persönliche Netzwerk. Zum einen, ein eigenes Netzwerk aufbauen und zu erhalten. Und zum anderen projektspezifisch die Stakeholder zu identifizieren und analysieren.

Ein weiterer Aspekt ist Status. Und damit ist nicht der hierarchische Status gemeint. Status setzt sich aus Erfahrung, Image/Ruf und Führungsqualität zusammen.

Der dritte Aspekt ist das Nutzen von unterschiedlichen Machtquellen. Diese werden später noch genauer beschrieben.

 

Die drei Säulen stehen nicht für sich alleine, sondern beeinflussen sich gegenseitig – sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht.

Positive Beispiele sind:

  • Die Kommunikation vereinfacht sich, wenn ein gutes Vertrauensverhältnis besteht (es bedarf weniger Kommunikation und Erklärungen)
  • Offene Kommunikation fördert das Entstehen von Vertrauen
  • Wenn viele Mitarbeiter einer lateralen Führungskraft vertrauen, stärkt dies die Machtposition (zahlt positiv auf den Aspekt “Image/Ruf” ein)

Negative Beispiele sind:

  • Machtspiele zerstören Vertrauen
  • Machtdemonstration behindert den Vertrauensaufbau
  • Das Zurückhalten von wichtigen Information (Kommunikation) senkt das Vertrauen

Es müssen nicht immer alle Säulen gleich stark von lateralen Führungskräften berücksichtigt werden. Herrscht beispielsweise ein gutes Vertrauensverhältnis und wurde klar an die Mitarbeiter kommuniziert, so bedarf es in der Regel weniger Einsatz von Macht.

Neben den drei Säulen des lateralen Führens sind auch hierarchische Führungsaspekte eine wichtige Grundlage, auf die wir im weiteren Verlauf noch eingehen.

Haltung und Rollenverständnis

Mit Blick auf die drei Säulen der lateralen Führung lassen sich verschiedene Methoden, Tools und Vorgehensweisen für Führungskräfte ableiten. Aus unserer Erfahrung heraus sind wir jedoch der Überzeugung, dass die Wirkung einer lateralen Führungskraft auch zu einem großen Teil von der inneren Haltung abhängt.

Häufig erleben wir gerade junge Mitarbeiter, die neu in die Rolle des Projektleiters einsteigen und mangelnde Akzeptanz bei den erfahrenen Mitarbeitern fürchten oder auch erleben. Wir empfehlen die eigene Rolle zu reflektieren und eine entsprechende Haltung zu finden und einzunehmen. Die innere Haltung ist entscheidend für das nach außen sichtbare Verhalten. Hilfreich erleben wir in der Praxis u.a. folgende innere Haltungen und Rollenverständnisse:

  • Ich arbeite für mein/das Team, nicht das Team für mich.
  • Ich stelle mich in den Dienst des Teams.
  • Ich muss nicht der beste Fachexperte sein, aber durch meine koordinierende Rolle stifte ich einen Nutzen.

Diese und ähnliche Haltungen und Rollenverständnisse stellen für die Betroffenen eine deutliche Erleichterung dar. In einem weiteren Schritt ist es hilfreich, das eigene Rollenverständnis mit den (Projekt-)Mitarbeitern zu teilen.

Wie wir qualifizieren

Ansatz

Eines unserer Hauptanliegen ist es, Trainings zu gestalten, die auf die Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst sind. Wir legen Wert darauf, an den aktuellen Themen und Herausforderungen der Teilnehmer zu arbeiten. Vor den Trainings erhalten die Teilnehmer eine E-Mail mit einer Vorabbefragung, in der aktuelle Herausforderungen und Erwartungen an das Training abgefragt werden. Daraufhin wird der Fokus der Inhalte entsprechend angepasst.

Das Training ist eine Mischung aus kurzen fachlichen Inputs, Impulsen zur Reflexion, praktischem Üben, kollegialer Fallberatung, Anwenden von Modellen auf die eigene Praxis und dem Austausch und der Diskussion in der Gruppe. Neben der Vermittlung von Fähigkeiten und Wissen setzen wir auch bei der Arbeit an eigenen inneren Haltungen an. Die Bedeutung der inneren Haltung und des Rollenverständnisses wird mit den Teilnehmern explizit erarbeitet.

Eine Übersicht unserer Didaktik-Elemente zeigt Abbildung 1:

Abbildung 1: Didaktik-Elemente zur Schaffung einer Lernkultur

Formate

In Abstimmung mit unseren Kunden bieten wir Trainings zum Thema “Laterale Führung” in unterschiedlichen Formaten an. Die Bandbreite reicht von einem eintägigen Impulstag, über die häufigste Variante – dem Zwei-Tages-Training – bis hin zu drei-moduligen Trainingsprogrammen mit insgesamt sechs Tagen über einen Zeitraum von fünf bis sechs Monaten. Je nach Dauer kann mehr oder weniger intensiv auf die einzelnen Themen eingegangen werden.

Übungen/Impulse im Training

Zu Beginn des Trainings wird das Konzept der drei Säulen vorgestellt und das Thema “Rollenverständnis und Haltung” wird gemeinsam reflektiert und bearbeitet. Ziel ist, den Unterschied zwischen lateraler und hierarchischer Führung zu verstehen und die eigene Rolle zu reflektieren. Häufige (Reflexions-)Fragen in diesem Abschnitt sind:

  • Was darf ich und was darf ich nicht als laterale Führungskraft?
  • Was sind weitere Unterschiede zur hierarchischen Führung?
  • Welches Verständnis meiner eigenen Rolle habe ich?

Anschließend werden die drei Säulen Vertrauen, Kommunikation, Macht und das Thema Führung im Training besprochen. In Abbildung 2 finden Sie eine Auswahl an möglichen Themen zu den vier Aspekten. Je nach Bedarf und Themen der Teilnehmer legen wir die Schwerpunkte unterschiedlich.

 

Abbildung 2: Mögliche Trainingsbausteine zu “Laterale Führung”

Vertrauen

Herausforderungen der Teilnehmer: Tragfähige und vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen aufzubauen ist für die laterale Führungskraft von Bedeutung. Mitarbeiter lassen sich dann eher überzeugen und im positiven Sinne beeinflussen. Das Thema Vertrauen ist zu Beginn meist nebulös. Vertrauen scheint manchmal einfach zu entstehen und manchmal nicht. Um tragfähige Beziehungen aufzubauen, bedarf es unterschiedlicher Verhaltensweisen und neben der Fachlichkeit ein Treffen auf der Beziehungsebene.

Ansatz im Training: Das Thema im Training erlebbar zu machen, ist uns wichtig. Deswegen führen wir folgende Übung zu Beginn durch: Jeder Teilnehmer muss mit jedem anderen Teilnehmer eine persönliche Gemeinsamkeit finden. Sobald diese gefunden wurde, wird eine Linie zwischen den beiden Namen inkl. Gemeinsamkeit gezogen (siehe Abbildung 3). Neben dem Spaß, zu sehen was die Gemeinsamkeiten sind, erleben die Teilnehmer einen Unterschied. Sich auf der Beziehungsebene zu treffen, sich für ein paar Minuten über ein nicht fachliches Thema zu unterhalten und Gemeinsamkeiten mit den anwesenden Personen zu haben, fördert den Beziehungsaufbau und das Vertrauen. Den Teilnehmern wird an dieser Stelle explizit vermittelt, dass sie durch Small Talk, das Suchen nach Gemeinsamkeiten und ehrliches Interesse am Gegenüber den Beziehungs- und Vertrauensaufbau fördern können.

Abbildung 3: Gemeinsamkeits-Netz

Damit das Thema Vertrauen griffiger wird, arbeiten wir gerne mit der Vertrauensformel (Abbildung 4). Für die Teilnehmer ist es wichtig, zu verstehen, das Vertrauen nicht einfach so entsteht, sondern verschiedene Aspekte darauf einwirken. Die Vertrauensformel gibt hierfür einen leicht verständlichen Überblick.

Abbildung 4: Vertrauensformel

Nach Vorstellung des Modells bekommen die Teilnehmer die Möglichkeit, bestehende Beziehungen zu Kollegen, Kunden o.ä. anhand der Vertrauensformel zu reflektieren bzw. analysieren und mögliche Handlungsimpulse zu identifizieren.

Je nach Gruppe und Zeit werden noch weitere Komponenten von Vertrauen dargestellt und nach einem ähnlichen Muster bearbeitet.

Kommunikation

Herausforderungen der Teilnehmer: Kommunikation ist ein weites Feld, doch gerade für laterale Führungskräfte ein Erfolgskritisches. Immer häufiger berichten Teilnehmer, dass die Kommunikation in interdisziplinären, interkulturellen und meist virtuellen Teams sie vor große Herausforderungen stellt.

Ansatz im Training: Nach unserer Erfahrung hilft es den Teilnehmern an dieser Stelle im Training, wenn wir die Herausforderungen in diesem Bereich individuell bearbeiten. Zum Beispiel über eine kollegiale Fallberatung oder in Untergruppen mit dem PAUL Schema (Problem, Auswirkung, Ursache, Lösungen). Ein White Paper zum Thema Kollegiale Beratung finden Sie hier.

Einige Inputs und Übungen stellen jedoch eine wichtige Grundlage zur wirksamen Arbeit von lateralen Führungskräften dar:

1. Verständnis sicherstellen

Herausforderungen im Alltag: Ein Thema, das viele Teilnehmer bewegt, ist Verbindlichkeit herzustellen. Hierbei ist es wichtig, dass zum Abschluss eines Gesprächs oder Meetings konkrete Arbeitspakete oder nächste Schritte vereinbart werden. Doch dies alleine reicht aus unserer Sicht noch nicht. Alle Teilnehmer des Gesprächs/Meetings müssen ein gleiches Verständnis von der Aufgabe und den nächsten Schritten haben. Verständnisquittungen einzuholen ist dafür ein adäquates Mittel.

Ansatz im Training: Die Trainingsteilnehmer lernen, wie sie Verständnis sicherstellen, ohne dem Gegenüber das Gefühl zu geben, nicht kompetent zu sein. Wie uns Teilnehmer immer wieder rückmelden, ist dies gerade im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Kulturen besonders hilfreich.

Aus diesem Grund erfahren und üben die Teilnehmer, dass eine Verständnisquittung aus zwei Teilen besteht:

  1. Rahmung & positive Absicht darstellen:
    Warum hole ich mir eine Verständnisquittung ein? Welchen Nutzen verspreche ich mir davon?
    “Vielleicht habe ich mich nicht verständlich ausgedrückt…”
    “Mir ist wirklich wichtig, dass wir ein gemeinsames Verständnis haben…”
  1. Mögliche Formulierungsvorschläge:
    “Kannst du nochmal in eigenen Worten wiederholen…”
    “Wie würdest du vorgehen?”
    “Was ist für dich wichtig?”
    “Wem nützt das? Was ist dann das Ergebnis?”
    “Wie kann ich dir helfen?”
    “Wie ist dein Zeitplan?”

2. Lösungsorientiertes Feedback geben

Herausforderungen im Alltag: Feedback ist auch beim lateralen Führen ein wichtiges Führungsinstrument. Für unsere Teilnehmer ist häufig Thema, dass sich Teammitglieder nicht an Vereinbarungen halten, Aufgaben zu spät oder mit ungenügender Qualität abgegeben werden oder zwischenmenschliche Themen, die sich auf die Teamatmosphäre und Leistung auswirken. Um diesen Themen zu begegnen, ist Feedback ein wirksames Instrument. Aber auch um Motivation aufrecht zu erhalten, ist das Anerkennen und Rückmelden von guter Leistung wichtig.

Ansatz im Training: Im Training erhalten die Teilnehmer Inputs zu lösungsorientiertem Feedback. Danach bereiten sie sich auf eine reale Situation vor. Diese wird geübt und die Teilnehmer erhalten Feedback zu ihrem Feedback. Wichtig ist die Erkenntnis der Teilnehmer, dass es ihnen als laterale Führungskraft zusteht und sogar verlangt wird, Feedback zu geben. Auch hier wird die Bedeutung der inneren Haltung erneut deutlich. Weitere Informationen zu lösungsorientiertem Feedback und der Umsetzung in Führungstrainings finden Sie hier.

Weitere Themen, die wir im Zusammenhang mit “Kommunikation” auf Basis der Teilnehmer-Anliegen behandeln, sind u.a. Kommunikation bei Projektstarts (inkl. Überzeugungsstilen), Meetings effektiv moderieren und virtuelle Kommunikation gestalten. 

Macht

Herausforderungen im Alltag: Laterale Führungskräfte haben häufig das Gefühl, nicht genügend formelle Autorisierung zu haben, um sich durchzusetzen. Sie sind sich nicht bewusst, was sie konkret tun können. Ziel der Einheit ist, dass sich die Teilnehmer als wirksamer und selbstbewusster erleben und wissen, welche Quellen und Ressourcen ihnen bezogen auf das Thema Macht zur Verfügung stehen. Es geht um die Schaffung eines Bewusstseins über verschiedene Machtquellen, die einer lateralen Führungskraft in Abwesenheit von disziplinarischer Macht zur Verfügung stehen. Wir arbeiten hier unter anderem mit den acht Machtquellen nach Christine Bauer-Jelinek (2009). Diese sind:

  • Materie
  • Herkunft
  • Mehrheit
  • Wissen
  • Gefühle
  • Funktion
  • Kontakte
  • Überzeugung

Ansatz im Training: In Gruppenarbeiten überlegen sich die Teilnehmer, welche Möglichkeiten sie bezogen auf die verschiedenen Quellen in ihrer Position nutzen können. Hinsichtlich “Materie” verfügen Projektleiter bspw. über gewisse Budgets, können Aufgaben verteilen und kleine Aufmerksamkeiten zum Beziehungsaufbau schenken. Bei “Kontakte” geht es um den Aufbau von wichtigen Netzwerken. Wenn es um die “Funktion” geht, können laterale Führungskräfte auch darüber nachdenken, die nächsthöhere Hierarchie einzuschalten oder durch Einbindung in die Leistungsbeurteilung des Mitarbeiters einen gewissen Druck auszuüben.

Funktionsmacht sollte als letztes Mittel eingesetzt werden und in diesem Fall auch in kleinen Schritten. Hilfreich kann in diesem Kontext das Modell der “Eskalation in kleinen Stufen” (Abbildung 5) sein.

Abbildung 5: Eskalation in kleinen Stufen

Führungskräfte müssen sich im ersten Schritt überlegen, über welche Möglichkeiten sie verfügen, Macht auszuüben und Konsequenzen zu ziehen. Dies können z.B. sein: Gespräch mit dem Mitarbeiter, zweites Gespräch mit Dokumentation der Vereinbarung, Neuverteilung von Aufgaben, Gespräch zusammen mit HR, Gespräch mit dem disziplinarischen Vorgesetzten des Mitarbeiters, … und ganz zum Schluss vielleicht die Kündigung. Mit diesem Wissen kann die laterale Führungskraft – falls notwendig – dem jeweiligen Mitarbeiter die Konsequenzen unerwünschten Verhaltens aufzeigen. Und zwar Konsequenzen, die die laterale Führungskraft fähig und auch bereit ist, zu ziehen.

Die Kombination von Machtquellen und Eskalationsstufen stärkt das Selbstwirksamkeitsempfinden der Teilnehmer und somit auch deren Wirkung auf ihre Mitarbeiter.

Führung

Herausforderungen im Alltag: Neben den drei Säulen müssen laterale Führungskräfte natürlich auch eher klassische Führungsaufgaben erledigen. Hierbei stellen sich Fragen hinsichtlich des angemessenen Führungsstils, der Delegation von Aufgaben. Aber auch die Koordination eines Teams und deren Zusammenarbeit sowie das erfolgreiche Aufsetzen von Projekten stellen für viele laterale Führungskräfte eine Herausforderung dar.

Ansatz im Training: Themen wie z.B. Führungsstile (aufgaben vs. menschenorientiert), situative Führung und Delegation erleben unsere Teilnehmer als nutzenstiftend für deren Alltag. Besonders häufig erarbeiten wir mit den Teilnehmern die Eigenschaften eines erfolgreichen Projektteams. Dazu geben wir drei Perspektiven vor:

  1. Hilfreiche Formulierung von Projektzielen
  2. Welche Strukturen/Abläufe und Methoden haben sich in Ihrem Bereich für die gemeinsame Projektarbeit bewährt?
  3. Welche konkreten Vereinbarungen in der Zusammenarbeit machen den Erfolg aus?

Diese drei Fragen werden zunächst in Untergruppen erarbeitet und dann im Plenum diskutiert. In allen drei Perspektiven stecken aus unserer Erfahrung wichtige Lernpunkte für die Teilnehmer. Sich Gedanken über die Formulierung von einem Projektziel zu machen, ist für viele neu. Und gerade der Aspekt, schon an dieser Stelle zu emotionalisieren und zu begeistern, macht einen Unterschied.

Der Austausch über die Methoden zur Strukturierung unterstützt das gegenseitige Best Practice Sharing. Gerade Impulse dazu, wie große und parallel laufende Projekte gut strukturiert werden können und welche Hilfsmittel das Unternehmen zur Verfügung stellt, werden als gewinnbringend erlebt. Vielen Teilnehmern wird an dieser Stelle klar, dass sie es in der Hand haben, mit dem Projektteam Vereinbarungen zur Zusammenarbeit zu treffen. Dies trägt entscheidend zur Gestaltung der Beziehungsebene im Projektteam bei.

 

Bei einer drei-moduligen Ausbildungsreihe betrachten wir darüber hinaus gerne das Thema persönliche Wirkung. Dieses zahlt auf viele der anderen Themen ein. Gleichzeitig braucht es hier Zeit und Vertrauen, um dieses Thema wirksam zu bearbeiten.

Weitere Themen sind u.a. Teamentwicklung (z.B. die Teamphasen) oder auch die erfolgreiche Gestaltung von Projekt-Starts.

Nachfolgend finden Sie eine Auswahl an Reflexionsfragen mit Bezug zu den oben beschriebenen Aspekten (Abbildung 6). Als laterale Führungskraft können Sie diese nutzen, um über Ihre eigene Rolle nachzudenken. Als Trainer und Berater können Sie diese natürlich für die Arbeit mit lateralen Führungskräften nutzen.

Reflexionsfragen für laterale Führungskräfte

Vertrauen

  • Wie kann ich den Aufbau von Vertrauen in meinem Projektteam unterstützen?
  • Welche Aspekte der Vertrauensformel fallen mir leicht? Auf welche Aspekte sollte ich mehr achten?

Kommunikation

  • Wie kann ich sicherstellen, dass wir ein gemeinsames Verständnis vom nächsten Schritt haben?
  • Wie kann ich das Geben von lösungsorientiertem Feedback in meinen Führungsalltag integrieren?

Macht

  • Welche Machtquellen stehen mir zur Verfügung?
  • Was sind erste kleine Eskalationsstufen, die ich fähig und bereit bin zu gehen?

Führung

  • Wie bereite ich ein Delegationsgespräch vor? Wie klar kommuniziere ich meine (Ergebnis-)Erwartung?
  • Wie formuliere ich Projektziele? Wie klar gebe ich in Projekten Strukturen vor?

Abbildung 6: Reflexionsfragen für laterale Führungskräfte

Organisationale Unterstützung für laterale Führungskräfte

Der Kompetenzaufbau von lateralen Führungskräften kann selbstverständlich nur zu einem gewissen Teil die Wirksamkeit in der Organisation erhöhen. Die organisationalen Rahmenbedingungen tragen natürlich auch ihren Teil dazu bei. In einer perfekten Organisation wäre ein Training wie das oben beschriebene relativ überflüssig, denn die Aufgaben wären klar verteilt, Zuständigkeiten geklärt, jeder wüsste, was er/sie zu tun hätte und persönliche Beziehungen oder Machtausübung wären nicht nötig, um wirksam zu sein. In den meisten Organisationen sind diese Aspekte nicht eindeutig geklärt. Persönliche Beziehungen und Machtausübung sind wichtig und nötig, um wirksam zu arbeiten. Organisationen könnten ihren lateralen Führungskräften das Leben leichter machen. Dies kann u.a. durch Festlegung klarer Verantwortlichkeiten und Prozesse sowie der Ausstattung mit Ressourcen geschehen.

Was Organisationen und Führungskräfte von lateralen Führungskräften tun können, darauf werden wir in einem weiteren White Paper im Frühjahr 2019 eingehen.

Fazit

Das White Paper hat dargestellt, wie vielfältig die Herausforderungen für laterale Führungskräfte und somit auch die Gestaltung von Trainings für diese Zielgruppe sind. Essentiell ist es aus unserer Sicht, lateralen Führungskräften ein Verständnis für ihre Rolle zu vermitteln und ein Bewusstsein für die drei Säulen zu schaffen, durch die sie in ihrer Rolle wirksamer werden. Hinsichtlich der spezifischen Themen, Modelle und Methoden haben wir Ihnen als Leser einige Einblicke gegeben, welche jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Am Ende geht es um die Teilnehmer und die Arbeit an ihren individuellen Themen, Fragestellungen und Herausforderungen.

 

Wenn Sie selbst als laterale Führungskraft vor Herausforderungen stehen und Unterstützung benötigen oder Sie häufiger mit lateralen (fachlichen) Führungskräften zu tun haben und Beratung für deren Qualifizierung suchen, melden Sie sich gerne bei uns.

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören!

Veronika Völler, Wirtschaftspsychologin, ist Partnerin bei system worx PartG und Beraterin, Trainerin und Coach. Ihr Handwerkszeug in Coaching und Beratung lernte sie an der Hochschule-Harz und am Institut für systemische Beratung (isb) in Wiesloch. Ihre Berufserfahrung aus einem internationalen Konzern und die Erfahrung aus dem Funktionsgebiet Vertrieb bringt sie heute in ihre Beratung und Coaching-Aufträge mit ein. Mit Leidenschaft begleitet sie Teams mit ihren Führungskräften. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Kooperationsberatung, Führungskräfte-Entwicklung, Organsations-entwicklung, Mediation und Coaching.

E-Mail: veronika.voeller@system-worx.com

 

Sven Lübbers, M.Sc. Management Psychology, ist als systemischer Berater (isb), Trainer und Coach bei system worx tätig. Neben der Beratung und Begleitung von Teams in Veränderungsprozessen liegen seine Schwerpunkte in den Bereichen Führungskräfte-Entwicklung, laterale Führung, Selbstorganisation/New Work sowie der Aus- und Weiterbildung von Beratern.

E-Mail: sven.luebbers@system-worx.com

Website: www.system-worx.com

 

Literatur

Bauer-Jelinek, C. (2009). Die helle und die dunkle Seite der Macht. Salzburg: Ecowin Verlag GmbH.

Kühl, S., Schnelle, T. & Schnelle, W., Führen ohne Führung, in: HarvardBusinessManager. H. 1/2004, S.71-79.

Oestereich, B. & Schröder, C. (2017). Das kollegial geführte Unternehmen. Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen. München: Verlag Franz VahlenGmbH.

 

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In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben sich etliche Unternehmen und Teams auf den Weg gemacht, selbstorganisiertes Arbeiten einzuführen. Manche Organisationen steuern sich vollkommen selbstorganisiert und wieder andere haben nur einige Aspekte der Selbstorganisation in bestimmten Bereichen etabliert.

In folgendem Video stellen Jaakko Johanssen und Sven Lübbers den Selbstorganisations-Readiness Fragebogen vor, der 5 Handlungsfelder und damit einhergehende nächste Schritte für Selbstorganisation in Unternehmen und Teams ableitet. Der Fragebogen steht kostenlos auf unserer Produktseite zum Download zur Verfügung.

 

 

Veranstaltungshinweis:

Workshop zu Sebstorganisation und Führung – Aufbruch zu mehr Eigenverantwortung in Organisationen und Teams am 21. August 2018

In diesem Workshop geben wir Ihnen Orientierung in diesem Urwald an Vorstellungen und Hoffnungen. Hierbei schauen wir auf den Reifegrad (die „Selbstorganisations-Readiness“) von Organisationen, Führungskräften und Mitarbeitern und nähern uns so dem optimalen Grad an Selbstorganisation für Ihren Kontext. Wir bieten Tools und Methoden für verschiedene Grade der Selbstorganisation sowie Anregungen, wie Sie sich auf die Reise in eine selbstorganisierte Arbeitswelt begeben bzw. andere auf dieser Reise unterstützen können. Wir berichten aus unserer Arbeit mit Unternehmen, die Selbstorganisation in ihre Arbeit integrieren und erarbeiten gemeinsam mit Ihnen, wie Sie dieses Wissen für sich nutzen können.

Zu weiteren Infos und zur Anmeldung geht es hier.

Viele Organisationen führen das Business-Partner-Konzept ein, gleichzeitig kommt es aber nicht recht zum Tragen. Der neue Titel der Rollenträger klingt schick und verheißt, früher in Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden. Es soll/darf/muss nun beraten werden, anstatt nur im Nachgang wichtiger Entscheidungen eingebunden zu sein und die operative Umsetzung durchführen zu müssen. Im betrieblichen Alltag bleibt aber trotzdem Vieles, wie es ist. Das frustriert die Business Partner und zum Teil auch ihre Kunden.

Markus Schwemmle und Silke Heerwagen führen in diesem Video eine Learning Conversation zur Veranstaltung „Systemische Business Partner Ausbildung für HR, Controlling & IT „.

Systemische Business Partner Ausbildung für HR, Controlling & IT

Die Ausbildung zum systemischen Business Partner qualifiziert Sie für die herausfordernde Aufgabe. Wir richten aber genauso den Blick
auf die organisationalen Voraussetzungen und Zusammenhänge, die zum Gelingen beitragen. Sie werden befähigt, die Organisation in die
gewünschte Richtung zu gestalten.

Kontaktieren Sie uns für mehr Informationen.

Zur Anmeldung

 

Markus Schwemmle, Silke Heerwagen und Jaakko Johannsen sind Partner bei system worx

Die Ausbildung „Systemischer Business Partner für HR, Controlling & IT“ qualifiziert Sie für die herausfordernde Aufgabe des Business Partner. Wir richten aber genauso den Blick auf die organisationalen Voraussetzungen und Zusammenhänge, die zum Gelingen beitragen. Sie werden befähigt, die Organisation in die gewünschte Richtung zu gestalten.

Weitere Infos zu den genauen Daten und zur Anmeldung finden Sie hier.

Wie man in der Rolle des Business Partner wirksamer werden kann, lesen Sie auch in Teil 1 unseres Whitepapers „Businesspartnerrolle ist implementiert. Wie werde ich wirksam in meiner neuen Rolle?“.

 

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Wertearbeit mit Führungkräften

Auf dem 9. Symposium der Systemischen Peergroup München stellt Kristin Schwemmle von system worx vor, wie man im Coaching aufbauend auf einer Life-Line-Arbeit mit Führungskräften ihre Werte erarbeiten kann.

Die leitenden Fragen dazu lauten:

  • Welche positiven und negativen Führungserfahrungen habe ich aus der Rolle des/der Geführten gemacht? Wer waren meine Führungsvorbilder?
  • Was ist mir aus der Perspektive des/der Führenden wichtig? Wie möchte ich wahrgenommen werden?
  • Welche Werte sind mir aus meinem familiären Kontext wichtig? Wie tragen mich diese in meiner Führungsrolle? Welche hemmen mich darin vielleicht auch?

Termin des 10. Symposiums: 12. Januar 2019

Eine Rückschau mit Handouts zu allen Themen des 9. Symposiums finden Sie hier.

 

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Februar 2018
Schaffung von Klarheit als Aspekt von Organisationsentwicklung
von Silke Heerwagen

In meinen Beratungsprojekten erlebe ich häufig die Situation, dass die Umsetzung von bereits getroffenen Entscheidungen oder Strategien als schwerfällig oder gar konfliktbehaftet erlebt wird. Als Grund wird von den Führungskräften oft die mangelnde Veränderungsbereitschaft der Mannschaft vermutet. Bei näherer Betrachtung kann es mannigfaltige Gründe für die Schwerfälligkeit geben. Ein Grund kann in der fehlenden Klarheit in der Kommunikation bzw. Positionierung der Führungskräfte liegen. Dies hat zur Folge, dass die Mitarbeiter die Botschaft nicht ernst nehmen oder verunsichert sind.

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Silke Heerwagen

Schaffung von Klarheit als Aspekt von Organisationsentwicklung

In meinen Beratungsprojekten erlebe ich häufig die Situation, dass die Umsetzung von bereits getroffenen Entscheidungen oder Strategien als schwerfällig oder gar konfliktbehaftet erlebt wird. Als Grund wird von den Führungskräften oft die mangelnde Veränderungsbereitschaft der Mannschaft vermutet. Bei näherer Betrachtung kann es mannigfaltige Gründe für die Schwerfälligkeit geben. Ein Grund kann in der fehlenden Klarheit in der Kommunikation bzw. Positionierung der Führungskräfte liegen. Dies hat zur Folge, dass die Mitarbeiter die Botschaft nicht ernst nehmen oder verunsichert sind.

In diesem Whitepaper möchte ich

  • erläutern, was Klarheit ausmacht
  • Ihnen Gedankenexperimente anbieten, entlang derer Sie prüfen können, wie klar Sie in Ihrer Positionierung sind bzw. sein wollen
  • mögliche Vorgehensweisen zur Schaffung von angemessener Klarheit darstellen

Dieser Artikel richtet sich sowohl an Unternehmer, Entscheider, Führungskräfte als auch Berater.

1. Was bedeutet „klar sein“?

Der Duden benennt einige Wörter, die „klar sein“ näher beschreiben:[1]

deutlich, fassbar, unterscheidbar, eindeutig, einleuchtend, exakt, genau, konsequent, logisch, nachvollziehbar, plausibel, übersichtlich, unzweideutig, verstehbar, evident und weitere

Beispiel aus der Praxis: Die Führungsmannschaft hatte eine neue Strategie und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Aufbau- und Ablauforganisation erarbeitet. Ausgewählte Mitarbeiter waren in diesem Prozess beteiligt. Nachdem nun alle Entscheidungen getroffen waren und alles detailliert beschrieben war, wurden die Strategie und die neuen Arbeitsabläufe offen und transparent durch die Führungskräfte den Mitarbeitern erläutert. Nach einiger Zeit zeigte sich, dass die Mitarbeiter den neuen Weg nicht mitgehen. An dieser Stelle wurde ich als Beraterin hinzugezogen.
Eine meiner ersten Fragen war, was und wie an die Mitarbeiter kommuniziert wurde. Ich war beeindruckt von der Fülle der Unterlagen. Die Ausgangslage, das Ziel, die Art und Weise der zukünftigen Zusammenarbeit war als Fließtext sehr detailliert beschrieben. Jedoch in einer Fülle, die die meisten Mitarbeiter vermutlich überforderte. Meine Frage, ob sie all das auf einer Seite visualisieren könnten, wurde mit Erstaunen aufgenommen. Es würde der Komplexität nicht gerecht werden, alles auf einer Seite zu visualisieren, war die Antwort. Trotzdem hat sich das Projekt-Kernteam auf dieses Experiment eingelassen: Visualisieren Sie die wesentlichen Aspekte der zukünftigen Zusammenarbeit: Welche Rollen sind wie miteinander im Austausch?

Ziel einer solchen Übung ist die Schaffung von Klarheit.

Im Folgenden erläutere ich verschiedene Facetten von Klarheit und warum diese von Bedeutung sind:

  • Klarheit in Bezug auf ein gemeinsames Bild im Kreis der Entscheider:
    Trotz langer Diskussion von Themen, herrschen bei Einzelnen unterschiedliche Bilder in den Köpfen über das Gesamtbild (Metaperspektive) und über die Auswirkungen dieser Entscheidung. Da die Bilder aber für jeden Einzelnen so einleuchtend sind und niemand Unterschiedlichkeit überhaupt in Erwägung zieht, besteht aus Sicht des Einzelnen auch keine Notwendigkeit, diese Bilder miteinander auszutauschen. Als Konsequenz werden – völlig unbeabsichtigt – auch unterschiedliche Bilder an die Mitarbeiter transportiert.
    In Veränderungsprozessen ist es für den Erfolg der Umsetzung entscheidend, dass die Verantwortlichen ein gemeinsames Verständnis von der Entscheidung und deren Auswirkungen haben. Nur so ist gewährleistet, dass die handelnden Personen kohärent agieren. Außerdem kann das gemeinsame Bild mit einer Stimme an die Mitarbeiter transportiert werden.
  • Klarheit bezüglich der Interdependenzen der jeweiligen Auswirkungen:
    Je nachdem aus welchem Kontext und aus welcher Perspektive Personen auf ein Thema schauen, bewerten sie die Interdependenzen der Auswirkungen unterschiedlich. Je nach emotionaler Betroffenheit hat diese Bewertung eine direkte Auswirkung auf die Kommunikation und somit wieder auf die von den Mitarbeitern wahrgenommene Klarheit.
  • Klarheit durch Komplexitätsreduktion:
    Je länger Themen beschrieben werden, desto komplexer wird unter Umständen gedacht. Das Große Ganze und der Wesenskern können schon mal aus dem Blickfeld geraten. Wichtig ist zu klären: was ist der Kern unserer Botschaft, den jeder verstanden haben sollte, damit er/sie sich von da aus wieder den Details und der Komplexität, die in seinem Kontext relevant sind, widmen kann.
  • Klarheit durch Vertrauen:

Auch wenn Menschen in Entscheidungsprozesse eingebunden sind, kann es sein, dass sie die Entscheidung sowohl sachlich als auch emotional noch nicht mittragen. Zitate:

„Ich halte die Entscheidung für falsch und kann sie noch nicht mittragen“ oder „Ich verstehe die Entscheidung, trage sie auch mit und werde sie vorantreiben. Gleichzeitig möchte ich sagen, dass ich sie für mich persönlich „blöd“ finde, da eines meiner Lieblingsthemen nun woanders angesiedelt ist.“ Diese Offenheit zeugt von hohem Vertrauen in der Gruppe. Aussprache von Standpunkten, Emotionen und Betroffenheit fördert Klarheit. Insbesondere ist der Blick auf die emotionale Betroffenheit wichtig, wenn Sie die Umsetzung von Entscheidungen vorantreiben wollen. Emotionale Betroffenheit wird – auch wenn versucht wird, sie zu unterdrücken – von den meisten anderen Beteiligten wahrgenommen. Je konkreter sie benannt und damit zuordenbar ist, desto besser. Denn nun wird sich besprechbar.

2. Welche Methode ist hilfreich?

Eigentlich ist die Methode, mit der an der Schaffung von Klarheit gearbeitet wird, fast egal. Wichtig ist, einen Raum zu schaffen, in dem ein Dialog von Gedanken und Emotionen möglich wird. Der Dialog unterscheidet sich stark von der Debatte[2]. In einer Debatte werden in einer faktisch-sachlichen Verbindung Fakten und Unterschiede miteinander ausgetauscht und stehen im Ergebnis nebeneinander, haben also wenig Bezug zu- bzw. aufeinander Im Dialog wird in einer persönlichen Verbindung sich einander mitgeteilt und zugehört. Im Ergebnis geht es darum, gemeinsam die Dinge zu erkunden, zu denken und emotional zu verarbeiten.

Jeder von uns hat sicherlich viele Beispiele wie dieser Raum für Dialog geschaffen werden kann. Ich werde im folgenden Kapitel zwei wirksame Methoden/Vorgehensweisen darstellen.

In beiden Vorgehensweisen ist sowohl das Ergebnis als auch der Weg das Ziel. Wenn mehrere Personen gemeinsam einen Sachverhalt z. B. visualisieren, dann liegt der erste wesentliche Nutzen darin, sich über die Darstellung auszutauschen. Bei dem Austausch von Argumenten für oder gegen eine Darstellung werden weitere Perspektiven und Bewertungen der Beteiligten sowie Hintergründe transparent. Das Verstehen steht im Vordergrund. Der Berater oder Moderator des Prozesses hat die Aufgabe, diesen Dialog dahingehend zu unterstützen, immer wieder sicherzustellen, dass alle involviert sind, gehört werden und das Sich-Verstehen im Vordergrund steht.
Der zweite Nutzen der Diskussion ist am Ende eine fokussierte Visualisierung bzw. Zusammenfassung des Sachverhalts. Je prägnanter und übersichtlicher desto mehr Klarheit. Diese Visualisierung/Zusammenfassung bietet eine hilfreiche Basis, um die wesentlichen Themen in aller Klarheit an die Mitarbeiter zu transportieren. Diese Klarheit ermöglicht Verstehen und lädt zu Diskussionen von konkreten Themen ein i.S.v. „ist der Pfeil von A nach B wirklich so gemeint, dass…?“ oder „Ist Thema x wirklich wichtiger als Thema Y?“

3. Methodenauswahl

Ein jeder hat so seine Methoden, mit denen er gute Erfahrungen macht. Ich möchte an dieser Stelle zwei Methoden vorstellen, die Visualisierung und den Kernaussagen-Dialog.

Visualisierung

Hierbei werden die Beteiligten gebeten, die Zusammenhänge ihrer Entscheidung zu visualisieren. Je nach Thema kann diese Visualisierung sehr unterschiedlich ausfallen.

Modell der Zusammenarbeit zwischen den Rollen

Abbildung 1: Beispiel aus einem Kundenprojekt

In diesem Beispiel wurden Rollen und auch deren Zusammenarbeit bereits detailliert beschrieben. Das Visualisieren hat den oben beschriebenen Nutzen erreicht.

Zukünftige strategische Ausrichtung

Abbildung 2: Strategie-Tempel

Für viele Unternehmen ist es ein bedeutsamer Moment, die strategischen Optionen zu erarbeiten und sich danach für Optionen zu entscheiden, die in die Strategie einfließen sollen.. Die Strategieprozesse, die ich begleite, enden meist damit, dass die Ergebnisse wieder so kanalisiert werden, dass sie auf ein Flipchart passen. Häufig bitte ich darum, das Ergebnis in Form eines Tempels darzustellen. Die Diskussion, was in das Fundament kommt, was die Säulen sind und was die strategische Absicht ist, ist wieder für alle Beteiligten sehr erhellend. Allein die Frage wie viele Säulen benötigt werden und wie breit sie sein müssen, damit – metaphorisch gesprochen – das Dach trägt, zahlt auf den o.g. Nutzen ein. Die Visualisierung ist also sowohl als Dialog-Methode während der Erarbeitung der Strategie als auch zur Kommunikation an weitere Personen einsetzbar.

Kernaussagen-Dialog

In dieser Vorgehensweise geht darum, die drei bis fünf Kernaussagen zur Veränderung/zur Strategie/zur… zu formulieren, die von den Mitarbeiter definitiv verstanden werden sollen. Nun könnte man eine lange Diskussion darüber führen, welche Sätze gewählt oder entsprechend umformuliert werden müssen, damit sich alle dahinter versammeln können. Ich arbeite stattdessen gern mit der folgenden Methode:

  1. Jede beteiligte Führungskraft schreibt ihre 3 Kernaussagen zum entsprechenden Thema auf eine Metaplankarte.
  2. Danach werden alle Karten transparent auf einen Tisch gelegt. Das Führungsteam versammelt sich stehend um den Tisch.
  3. Nun beginnt die erste Person, eine Karte, auf die sie verzichten kann, in einen Speicher zu schieben und erläutert wie folgt: „Auf diese Karte kann ich verzichten, weil…“
  4. Danach sind nacheinander alle an der Reihe. Immer eine Person, der Reihe nach. Die Anderen hören zu.
  5. Sofern eine Person mit dem Hinauslegen einer Karte nicht einverstanden ist, darf sie diese wieder zurücklegen – mit Begründung. Nun muss sie allerdings zwei Karten in den Speicher legen.
  6. Die Reihum-Übung geht so lange weiter, bis nur noch 3 -5 Karten in der Mitte liegen und alle dem zustimmen können.

Fazit

Die gute Absicht, die hinter einer sehr detaillierten Beschreibung eines Zielbildes oder der mit warmen Worten verpackten unliebsamen Veränderung stehen, ist durchaus nachvollziehbar und wird auch von vielen Beteiligten wertschätzend gewürdigt. Gleichzeitig braucht es eine Klarheit, damit die Beteiligten den Kern der Botschaft verstehen und sich dann von diesem Kern ausgehend wieder mit Details und Komplexität auseinandersetzen können. Die oben vorgestellten Methoden stellen zwei Möglichkeiten dar. Die hilfreiche Art und Weise der Visualisierung wechselt je nach Kontext, handelnden Personen und Thema.

Wenn Sie sich auch in einem Strategie- oder Veränderungsprozess befinden und Unterstützung oder Sparring benötigen, wenden Sie sich gerne an uns.

 

Silke Heerwagen, Dipl. Betriebswirtin (Jg. 1966), Master am isb Wiesloch, ist Partnerin von system worx und Lehrbeauftragte des isb Wiesloch. Sie arbeitet als Beraterin, Trainerin und Coach in den Themen Führung, Organisationsentwicklung und Veränderung.

E-Mail: silke.heerwagen@system-worx.com

Website: www.system-worx.com

 

Literatur

[1] Duden.de: „klar sein“ am 13.9.2017

[2] C. Otto Scharmer, Theorie U (2011) S. 300

 

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Quelle Foto: © Natalie Espinosa

Januar 2018

 

Unternehmensklima als treibende Kraft von wirtschaftlichem Erfolg

von Dr. Josef A. Fischer

Das Unternehmensklima und die wirtschaftliche Leistung eines Unternehmens hängen stark miteinander zusammen. Was kommt aber zuerst – Unternehmensklima oder Leistung? Im vorliegenden Beitrag soll eine Antwort auf diese Frage erarbeitet werden. Dafür werden unabhängige wissenschaftliche Studien zusammengefasst. Es zeigt sich ein klares und durchgehendes Muster: die positive Wirkung des Unternehmensklimas auf Leistung ist stärker und zeitlich stabiler als der Effekt von Leistung auf das Unternehmensklima. Dieser Effekt kann in unterschiedlichen Kontexten beobachtet werden (Automobilverkauf, Finanzberatung und in experimentellen Settings). Zudem gilt dieser Effekt sowohl für subjektive (z. B. Kundenzufriedenheit) als auch objektive Leistungsindikatoren (z. B. Vertriebsleistung). Es werden Praxisbeispiele vorgestellt, wie Organisationsentwickler diese Erkenntnis strategisch nutzen können, um mehr Management-Attention auf das Unternehmensklima zu gewinnen.

Veranstaltungshinweis

Die Führungskraft als Kulturträger und -präger

Daimler, Lufthansa, Siemens – der DAX baut seine Kultur um. Ziel dabei ist mehr Agilität, Flexibilität und Robustheit gegenüber der zunehmenden Veränderungsdynamik. Kulturentwicklung wird zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. Agile Mind ist die neue Anforderung an Führungs- und Unternehmenskultur. Als Experten für Kulturentwicklung und Kooperationsberatung geben wir Einblicke in innovative Arbeitsgestaltung und Kooperationsformen einer neuen Arbeitswelt. Gemeinsam denken wir Zukunft. Bewährte „Reisemittel“ stellen wir vor. Kulturentwicklung ist für viele Führungskräfte zwar schon heute ein Erfolgsfaktor, aber sie wissen nicht, wie man mit dem Thema methodisch umgeht. Wir demonstrieren in dieser Veranstaltung vom 08.-09. März 2018 einfache und griffige Methoden wie Führungskräfte Kulturentwicklung gestalten und prägen.

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Unternehmensklima als treibende Kraft von wirtschaftlichem Erfolg

von Dr. Josef A. Fischer

Abstract

Das Unternehmensklima und die wirtschaftliche Leistung eines Unternehmens hängen stark miteinander zusammen. Was kommt aber zuerst – Unternehmensklima oder Leistung? Im vorliegenden Beitrag soll eine Antwort auf diese Frage erarbeitet werden. Dafür werden unabhängige wissenschaftliche Studien zusammengefasst. Es zeigt sich ein klares und durchgehendes Muster: die positive Wirkung des Unternehmensklimas auf Leistung ist stärker und zeitlich stabiler als der Effekt von Leistung auf das Unternehmensklima. Dieser Effekt kann in unterschiedlichen Kontexten beobachtet werden (Automobilverkauf, Finanzberatung und in experimentellen Settings). Zudem gilt dieser Effekt sowohl für subjektive (z. B. Kundenzufriedenheit) als auch objektive Leistungsindikatoren (z. B. Vertriebsleistung). Es werden Praxisbeispiele vorgestellt, wie Organisationsentwickler diese Erkenntnis strategisch nutzen können, um mehr Management-Attention auf das Unternehmensklima zu gewinnen.

Einführung

Das Unternehmensklima[1] hat in den letzten Jahren stetig an Interesse und Bedeutung gewonnen. Galt das Klima in der Vergangenheit häufig zwar als bedeutsames, aber keinesfalls entscheidendes Merkmal eines Unternehmens, wird darin immer häufiger ein zentraler Wettbewerbsvorteil gesehen (Heerwagen, 2017; Leipoldt, 2017). Insbesondere im Zeitalter des Fachkräftemangels werden Unternehmen als besonders attraktiv wahrgenommen, wenn sie die Potenziale und Talente der Belegschaft als wertvolles Human-Kapital erkennen und in die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter investieren. Dies gilt insbesondere für Vertreter der Generation Y (Bruch, Fischer, & Färber, 2015). Zudem gilt es mittlerweile wohl als unbestritten, dass Unternehmen mit einem positiv ausgeprägten Klima bessere wirtschaftliche Ergebnisse erzielen als ihre Mitbewerber, die der Qualität des sozialen Miteinanders weniger Aufmerksamkeit schenken. Dies demonstriert beispielsweise eine Untersuchung mit knapp 15000 Mitarbeitern aus 77 Unternehmen unterschiedlicher Branchen in Deutschland (Bruch & Fischer, 2014).

[1] In dem vorliegenden Beitrag wird bewusst zwischen dem Klima und der Kultur eines Unternehmens unterschieden (Denison, 1996; Schneider, Ehrhart, & Macey, 2013): Das Klima eines Unternehmens fasst die Einstellungen und das Verhalten der Führungskräfte und Mitarbeiter zusammen. Das Unternehmensklima berücksichtigt dabei individuelle Unterschiede, die durch unterschiedlich stark ausgeprägte Persönlichkeitsmerkmale erklärt werden können. Im Gegensatz dazu, muss gemäß Schein (2003) das Konzept Unternehmenskultur breiter verstanden werden: Neben beobachtbaren Artefakten und sich in Verhaltensmustern ausdrückenden Werten, sind auch implizite Grundannahmen ein Bestandteil von Kultur. Das Klima eines Unternehmens ist demnach ein wichtiger Bestandteil der Kultur. Allerdings darf man Klima und Kultur nicht gleichsetzen, da die Kultur eines Unternehmens „mehr“ ist, als die Einstellung und das Verhalten der Mitarbeiter (Denison, 1996; Schneider et al., 2013). Da in dem vorliegenden Beitrag Fragebogenstudien zusammengefasst werden, in denen das Erleben und Verhalten von Mitarbeitern erfasst wurde, erscheint es sinnvoll und passend von Unternehmensklima zu sprechen.

Dabei wurden Unternehmen mit einem stark ausgeprägten Kooperationsklima mit Unternehmen verglichen, in denen sich die Mitarbeiter deutlich weniger stark unterstützen. Es zeigt sich, dass Unternehmen mit einem starken Kooperationsklima signifikant bessere Leistungsergebnisse erzielen als vergleichbare Unternehmen mit geringem Kooperationsklima. Die positiven Effekte eines ausgeprägten Kooperationsklimas lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Return on Invest (+ 26 %)
  2. Innovationsleistung (+ 21 %)
  3. Kundenzufriedenheit (+ 26 %)
  4. Mitarbeiterzufriedenheit (+ 24 %)

Es fällt auf, dass sich das Kooperationsklima sowohl auf subjektive (z. B. Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit) als auch objektive (z. B. Return on Invest, Innovationsleistung) Ergebnisse auswirkt.

Allerdings drängt sich an dieser Stelle eine wichtige Frage auf: Ist das Unternehmensklima die eigentlich treibende Kraft hinter wirtschaftlichem Erfolg? Oder haben wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen nicht per se auch ein besseres Unternehmensklima?

Die Frage, ob das Unternehmensklima die wirtschaftliche Leistung beeinflusst oder ob eher die Leistung das Klima prägt, gleicht dem bekannten Henne-Ei-Problem. In der Tat können sich Unternehmensklima und Leistung wechselseitig beeinflussen, für beide Wirkrichtungen können plausible Argumente angeführt werden:

Leistung beeinflusst das Unternehmensklima: Die Belegschaft von erfolgreichen Unternehmen könnte von der wirtschaftlichen Situation ihres Arbeitgebers in Form von Mitarbeiterbeteiligungen profitieren. Solche zusätzlichen Belohnungen sind wünschenswerte Ereignisse und sollten daher die Stimmung positiv prägen. Mitarbeiter in erfolgreichen Unternehmen können zudem mehr Erfolgsgeschichten miteinander teilen. Wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich in der Regel auch durch eine hohe Kundenzufriedenheit aus: Mitarbeiter, die häufig in Kontakt mit positiv gelaunten und zufriedenen Kunden stehen, sollten sich von dieser positiven Stimmung anstecken lassen (Grant, 2011).

Unternehmensklima beeinflusst Leistung: Auf der anderen Seite liegen triftige Argumente vor, warum das Unternehmensklima die Leistung spürbar beeinflussen sollte. Beispielsweise wird der Zusammenhang zwischen Mitarbeiterzufriedenheit und Leistung im „happy-productive workers“ Ansatz beschrieben (Wright & Cropanzano, 2000). Bereits in der Human Relations Bewegung wurde im Rahmen der Hawthorne Studien in den 1930er-Jahren die Annahme vertreten, dass glückliche Beschäftigte auch produktiver sind. Tatsächlich existiert ein substantieller Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit von Mitarbeitern und ihrer Arbeitsleistung (Judge, Thoresen, Bono, & Patton, 2001). Es erscheint daher wenig verwunderlich, dass seither der soziale Kontext, die Qualität des sozialen Miteinanders und damit das Kooperationsklima als wichtige Quelle für Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit gelten.

Unternehmensklima und Leistung beeinflussen sich wechselseitig: Selbstverständlich gibt es auch eine Kombination der beiden beschriebenen Ansätze: Unternehmensklima und Leistung können dynamisch miteinander interagieren und sich daher gegenseitig in einer wechselseitigen Wirkung über die Zeit hinweg beeinflussen.

Somit existieren unterschiedliche Argumente, um das Zusammenspiel von Klima und Leistung über die Zeit hinweg zu erklären. Umso dringender erscheint daher die Frage: Wer ist denn nun das Zünglein an der Waage und hat den stärkeren Einfluss?

Um diese Leitfrage zu klären, bieten sich empirische Untersuchungen an, in denen das dynamische und wechselseitige Zusammenspiel von Unternehmensklima und Leistung über die Zeit hinweg untersucht wird. Zudem kann man durch die Wahl der entsprechenden statistischen Analysemethode die konkurrierenden Annahmen gegeneinander testen. Auf dieser Basis kann beurteilt werden, welcher Erklärungsansatz das Zusammenspiel zwischen Unternehmensklima und Leistung über die Zeit hinweg besser beschreibt.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die empirische Organisations- und Managementforschung sich dieser Fragestellung angenommen hat: In den letzten Jahren wurden mehrere internationale Studien publiziert, die den Wirkzusammenhang zwischen Unternehmensklima und Leistung über die Zeit hinweg untersucht haben (Boyce et al. 2015; Mathieu, Kukenberger, D’Innocenzo, & Reilly, 2015; Winkler, König, & Kleinmann, 2012). Im Rahmen des vorliegenden Beitrags sollen diese Untersuchungen zusammengefasst und für die Praxis aufbereitet werden.

Alle Studien haben eine wichtige Besonderheit: Sie haben allesamt das Zusammenspiel von Unternehmensklima und Leistung über die Zeit hinweg untersucht und dabei den wechselseitigen Einfluss berücksichtigt. Im Anhang dieses Beitrags sind die Studien zusammengefasst.

Die unabhängig voneinander durchgeführten Studien kommen dabei zum selben Ergebnis:

Das Klima eines Unternehmens hat einen stärkeren positiven Einfluss auf seine Leistung als dies in umgedrehter Wirkrichtung beobachtbar ist.

 

In Abbildung 1 sind die Wirkzusammenhänge zwischen Unternehmensklima und Leistung über die Zeit hinweg (vereinfacht) dargestellt

Abbildung 1: Darstellung der Wirkzusammenhänge zwischen Klima und Leistung von Unternehmen über die Zeit hinweg

Es zeigt sich, dass der Zusammenhang zwischen Unternehmensklima und Leistung auch über die Zeit hinweg existiert: Das Klima kann die Leistung eines Unternehmens ein Jahr später vorhersagen. Selbiges gilt auch in umgedrehter Richtung, denn Leistung ist auch ein Indikator für das Unternehmensklima ein Jahr später – jedoch ist der Effekt nicht so stark wie der Zusammenhang zwischen Unternehmensklima und Leistung über das gleiche Zeitintervall. Vergrößert man den zeitlichen Abstand, so zeigen sich spürbare Unterschiede: Das Unternehmensklima kann Leistung über den Zeitraum von zwei Jahren und sogar drei Jahren vorhersagen, wobei der Zusammenhang mit steigendem Zeitintervall abnimmt. Für die Beziehung zwischen Leistung und Klima findet man jedoch keinen Zusammenhang über die längeren Zeitintervalle von zwei bzw. drei Jahren hinweg.

Des Weiteren lassen sich die positiven Effekte des Unternehmensklimas auf unterschiedliche Leistungsindikatoren verallgemeinern: Das Klima hat spürbar positive Effekte sowohl auf subjektive (Kundenzufriedenheit) als auch objektive Leistungsindikatoren (finanzielle Leistung, Vertriebsleistung). Insbesondere der robuste Zusammenhang zwischen dem Unternehmensklima und objektiven Leistungsindikatoren erscheint besonders interessant, da objektive Indikatoren wie z. B. Verkaufszahlen von Fahrzeugen von externen, für die Mitarbeiter oftmals nicht zu kontrollierenden Faktoren beeinflusst werden. Zudem lassen sich die Ergebnisse sowohl über unterschiedliche Branchen hinweg (Automobil- und Finanzindustrie) als auch in experimentellen Untersuchungsdesigns (Managementsimulation in MBA-Programmen) finden. Dieser Befund kann ebenfalls als Argument für die Robustheit der Wirkung des Unternehmensklimas auf die Leistung verstanden werden.

Die zeitlich überschaubaren Effekte von Leistung auf das Unternehmensklima legen die Interpretation nahe, dass selbst finanzielle Erfolgsbeteiligungen bestenfalls die Wirkung eines Hygienefaktors haben[2]: sie schützen vor Unzufriedenheit, stiften aber weder langfristig Zufriedenheit, noch prägen sie das soziale Miteinander.

Skeptiker stellen gerne und zu Recht die Frage: Ist die Stärke des Zusammenhangs zwischen Unternehmensklima und Leistung auch wirklich ausreichend groß, dass dieser für die Praxis bedeutsam erscheint? An dieser Stelle lohnt sich ein kurzer Abstecher in die Pharmaforschung, in der die Wirksamkeit von Medikamenten bestimmt wird. Durch diesen Vergleich sollte die Bedeutsamkeit des Unternehmensklimas für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen besser beurteilt werden können. Nachfolgend sind die Korrelationen für den Zusammenhang zwischen bekannten Medikamenten und ihrer therapeutischen Wirkung dargestellt (Meyer et al. 2001).

  1. Konsum von Ibuprofen und Schmerzreduktion: r = .14
  2. Konsum von Schlafmitteln und Milderung von Schlaflosigkeit: r = .30
  3. Konsum von Viagra und der Verbesserung der männlichen Potenz: r = .38

In ihrer Studie berichten Winkler und Kollegen (2012) einen Zusammenhang von r = .48 zwischen dem Klima in Schweizer Finanzinstituten und der Zufriedenheit ihrer Kunden über die Zeitspanne von einem Jahr. Beim Vergleich mit den oben dargestellten Zusammenhängen fällt auf, dass der von Winkler et al. (2012) berichtete Zusammenhang zwischen Unternehmensklima und Leistung höher ausfällt, als die Wirksamkeit der aufgeführten Medikamente. Man kann daraus schlussfolgern, dass der Einfluss des Klimas auf die Leistung eines Unternehmens äußerst bedeutsam ist bzw. dass das Unternehmensklima ein „potenter Treiber“ von wirtschaftlicher Leistung ist.

Wie können diese Ergebnisse für die unternehmerische Praxis genutzt werden?

Oftmals sehen sich wissenschaftliche Studien dem Vorwurf ausgesetzt, dass sie keinen Mehrwert für die Praxis leisten. Im Fall des vorliegenden Beitrags sollte sich die Frage nach dem Mehrwert erübrigen. Selbstverständlich können die Ergebnisse strategisch eingesetzt werden, um Maßnahmen zur Entwicklung des Unternehmensklimas zu rechtfertigen. Häufig sehen sich Organisationsentwickler der Frage ausgesetzt, ob sie mit ihrer Arbeit einen bedeutsamen Beitrag für die Wertschöpfung des Arbeitgebers leisten. Neben einem Verweis auf die in diesem Artikel zusammengetragenen Ergebnisse, können Unternehmen eigene Studien durchführen, um den Zusammenhang zwischen Klima und Leistung für ihren konkreten Fall zu bestimmen. Nachfolgend wird mit der Metro Group ein Beispiel vorgestellt, wie Unternehmen den Einfluss ihres Unternehmensklimas auf die unternehmerische Leistungsfähigkeit transparent machen können. Als Grundlage für die Darstellung dieses Praxisbeispiels dient der Beitrag von Andrea Schmitz und Dr. Arndt Ahlers in der Zeitschrift Personalwirtschaft (2016).

[2] An dieser Stelle sei angemerkt, dass in den zitierten nicht explizit berücksichtigt wurde, ob die untersuchten Unternehmen ihre Mitarbeiter in Form einer finanziellen Erfolgsbeteiligung für das positive Gesamtergebnis belohnt haben oder nicht.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Die Metro Group hat vor ein paar Jahren zusammen mit ihrem Partner Aon Hewitt die unternehmensweite Mitarbeiterarbeiterbefragung überarbeitet. Neben zahlreichen Weiterentwicklungen (z. B. einem verbesserten internen Marketing und einer ausführlichen kommunikativen Begleitung) wurde das Konzept Mitarbeiterengagement als zentrale Messgröße der Befragung eingeführt. Mit Engagement ist das Ausmaß gemeint, mit dem Mitarbeiter positiv über ihren Arbeitgeber sprechen (z. B. Produkte weiterempfehlen), langfristig im Unternehmen verbleiben möchten und sich überdurchschnittlich stark für den Erfolg ihres Arbeitgebers einsetzen[3]. Aus zahlreichen Studien von Aon Hewitt ist bekannt, dass Mitarbeiterengagement signifikant mit externen wirtschaftlichen Leistungskriterien verbunden ist.

Diese Erkenntnis hat der Metro Group an dieser Stelle nicht gereicht und ging einen entscheidenden Schritt weiter. Um den Ergebnissen der eigenen Mitarbeiterbefragung mehr Gewicht zu verleihen, beauftragte die Metro Group eine eigene vertiefende Auswertung: Dabei wurden die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung mit den Resultaten der Kundenbefragung der Metro Group kombiniert. Damit sollte ermittelt und vor allem quantifiziert werden, wie hoch Mitarbeiterengagement und Kundenzufriedenheit im konkreten Fall der Metro Group miteinander zusammenhängen. Die Metro Group wollte sich also nicht darauf verlassen, dass Mitarbeiterengagement in anderen Unternehmen ein guter Indikator für Leistung ist – vielmehr sollte durch die Zusatzanalysen überprüft werden, wie stark bei der Metro Group ein solcher Zusammenhang ausfällt.

Die Ergebnisse demonstrieren, dass Mitarbeiterengagement und Kundenzufriedenheit stark positiv korreliert sind. Damit wurde der Nachweis erbracht, dass ein hohes Mitarbeiterengagement bei der Metro Group ein wichtiger Erfolgsfaktor zur Steigerung der Kundenzufriedenheit ist. Das Engagement der Mitarbeiter der Metro Group wirkt als zentraler Stellhebel zur Kundenbindung. Internen Skeptikern, die die Relevanz von Mitarbeiterengagement für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit herunterspielen wollten, konnte somit der Wind aus den Segeln genommen werden. Des Weiteren tragen solche Ergebnisse oftmals zur Sensibilisierung der Führungskräfte bei, da diese im Engagement ihrer Mitarbeiter einen wirkungsvollen Stellhebel zur Steigerung der Kundenzufriedenheit erkennen und in die Steigerung des Engagements investieren.

Das Beispiel der Metro Gruppe zeigt, wie man die Relevanz von scheinbar weichen HR-Themen für das eigentliche Kerngeschäft eines Unternehmens besser greifbar machen kann. Oftmals sind Vertreter aus dem Personalbereich davon überzeugt, dass das Unternehmensklima einen spürbaren Einfluss auf den Geschäftserfolg hat. Allerdings dringen sie mit ihren inhaltlichen Argumenten aber nicht immer zu wichtigen Entscheidungsträgern durch. Insbesondere bei Personen- und Berufsgruppen, die sich eher weniger intensiv mit dem Zusammenwirken von Unternehmensklima und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit auseinandersetzen, können aber gerade vertiefende statistische Zusammenhänge eine positive argumentative Wirkung erzielen. Insbesondere bei scheinbar unkonkreten Themenfeldern wie Unternehmensklima und ihrer Wirkung auf den wirtschaftlichen Erfolg bieten sich vertiefende Analysen an, um diese Wirkzusammenhänge für das Management besser greifbar zu machen. Die eigentliche Wirkung des Unternehmensklimas auf die Leistung bleibt selbstverständlich dieselbe – allerdings kann durch eine Quantifizierung die Außenwirkung dieses Zusammenhangs besonders hervorgehoben und nachvollziehbar gemacht werden.

In meiner Wahrnehmung verschenken viele Unternehmen an dieser Stelle allerdings eine wesentliche Chance: Sie nützen nicht die ihnen zur Verfügung stehenden Daten (z. B. aus Mitarbeiter- und Kundenbefragungen), um die ökonomische Relevanz von vermeintlich weichen HR-Themen (z. B. Unternehmensklima) zu demonstrieren. Durch die Kombination unterschiedlicher Datenquellen können aber Nachweise für die Relevanz dieser Themen erbracht werden. Aktuell sind Trendthemen wie HR Analytics oder die verstärkte Nutzung von Big Data im HR-Bereich besonders populär. Dabei geht es gerade um die vertiefende und strategische Nutzung von bereits gesammelten Daten. Ich persönlich sehe darin ein besonderes Potenzial, um dem Thema Unternehmensklima ein (vielleicht noch) besseres Gehör zu verschaffen. Meine persönliche Erfahrung hat mir wiederholt gezeigt, dass insbesondere Mitarbeiter auf Strategiestellen, höhere Führungskräfte oder Mitglieder der Geschäftsleitung für empirische Belege der Relevanz von vermeintlichen weichen HR-Themen sehr offen sind. Oftmals habe ich es sogar erlebt, dass solche Nachweise explizit eingefordert werden, damit Projekte überhaupt freigegeben oder verlängert werden konnten.

[3] Das Engagement von Mitarbeitern darf als guter Indikator für das Unternehmensklima gesehen werden, da es die Anstrengungsbereitschaft und Verbundenheit widerspeigelt. Des Weiteren wird das Mitarbeiterengagement in besonderem Maße durch die Qualität der Führung, des sozialen Miteinanders und der Entwicklungsmöglichkeiten beeinflusst (Barrick et al., 2015).

Welche Implikationen haben diese Ergebnisse für Entwicklung und Analyse des Unternehmensklimas?

Die Ergebnisse der oben zusammengefassten Studien unterstreichen die Bedeutung des Unternehmensklimas für den wirtschaftlichen Erfolg. Damit wird insbesondere die aktive Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Klimas und der Kultur einer Organisation betont. Wie Unternehmen ihre Kultur systematisch entwickeln können, wurde bereits in den sehr zu empfehlenden Beiträgen von Silke Heerwagen (2017) und Thilo Leipoldt (2017) herausgearbeitet.

Neben der Relevanz der systematischen Entwicklung von Kultur und Klima, betonen die Ergebnisse der in diesem Beitrag zusammengefassten Studien die Bedeutung von regelmäßigen Analysen des Unternehmensklimas (z. B. in Form von Befragungen). Dadurch können sich Unternehmen einen Überblick über die Ausprägung relevanter Merkmale ihres Unternehmensklimas verschaffen. In der Konsequenz erscheint es besonders wichtig, dass die Entwicklung und Analyse des Unternehmensklimas systematisch aufeinander abgestimmt und miteinander verzahnt sind. Allzu häufig verfehlen Mitarbeiterbefragungen ihre Wirkung. Dies ist nicht verwunderlich, denn viele Befragungen stehen unter dem Motto „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“. Dies liegt daran, dass Mitarbeiterbefragung häufig nicht die erfolgskritischen Themen abdecken, die das Unternehmen eigentlich beschäftigen. Somit kann man die kritische Frage umgehen, ob Initiativen zur Entwicklung des Unternehmensklimas die erhoffte Wirkung erzielt haben. Selbstverständlich dürfen Mitarbeiterbefragungen nicht als reine Evaluation von Initiativen zur Entwicklung des Unternehmensklimas missbraucht werden. Allerdings bietet es sich durchaus an, Themen der Entwicklung und Analyse des Unternehmensklimas eng miteinander zu verzahnen. Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch, dass Unternehmen den Mut aufbringen müssen, in Mitarbeiterbefragungen das Thema Unternehmensklima verhaltensnah zu adressieren und sich nicht hinter allgemeinen Zufriedenheitsbefragungen verstecken dürfen. Nur so können die Ergebnisse in nachfolgende Entwicklungsprozesse einfließen.

Nachfolgend stelle ich ein Beispiel meiner eigenen Beratungspraxis vor, um daran zu demonstrieren, wie Unternehmen die Entwicklung und Analyse des Unternehmensklimas miteinander kombinieren können.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Seit einem Vorstandswechsel schenkt eine Schweizer Kantonalbank dem Thema Unternehmensklima besonders viel Augenmerk, da es sein wertschätzendes Klima als Unterscheidungsmerkmal zu prestigeträchtigen international agierenden Großbanken identifiziert hat. In seinem Unternehmensklima sieht die Kantonalbank einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil – sowohl hinsichtlich des Recruiting junger Talente als auch der Kundenbindung. Um den eigenen Anspruch gerecht zu werden, führt die Kantonalbank im Abstand von 2 Jahren eine umfassende Analyse des Unternehmensklimas in Form einer Mitarbeitervollbefragung durch. Im Nachfolgeprozess werden für das Unternehmensklima relevante Fokusfelder identifiziert und durch Arbeitsgruppen bearbeitet. Für die Auswahl der Fokusfelder dient die Bewertung in der Mitarbeiterbefragung nicht als ausschließliches Kriterium. Vielmehr werden die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragungen im Kontext aktueller betriebsinterner Entwicklungen interpretiert. So zeigten sich beispielsweise die Privatkunden mit der Reaktions- und Bearbeitungszeit für aufwendigere Anfragen spürbar unzufrieden. Die Mitarbeiterbefragung zeigte klar, dass die übergreifende Zusammenarbeit zwischen Front- und Back-Office von beiden Seiten kritisch beurteilt wurde. Die Kantonalbank stellte demnach die Hypothese auf, dass die schwindende Kundenzufriedenheit auf die ausbaufähige Zusammenarbeit zwischen Front- und Back-Office zurückgeführt werden könnte. Entsprechend wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um geeignete Unterstützungsmaßnahmen abzuleiten, die Front- und Back-Office bei der Entwicklung ihrer übergreifenden Zusammenarbeit begleiten (z. B. Schnittstellen-Workshops zur Verbesserung der Arbeitsprozesse). Im nächsten Zyklus der Mitarbeiterbefragung wurde die Zusammenarbeit zwischen Back- und Front-Office erneut abgefragt. Damit konnte die Wirksamkeit der eingeleiteten Entwicklungsmaßnahmen bewertet werden. Zudem konnte das Unternehmen prüfen, ob die Ausprägung im Bereich „Zusammenarbeit zwischen Front- und Back-Office“ als ausreichend gut beurteilt werden kann, damit die Aussicht besteht, dass sich die Kundenzufriedenheit wieder positiv entwickeln wird.

Fazit

Der aktuelle Artikel kann sicher nicht die Frage beantworten, ob zuerst das Ei oder die Henne da war. Wohl aber kann er die besondere Rolle des Unternehmensklimas für den wirtschaftlichen Erfolg herausarbeiten. Die Ergebnisse der zusammengefassten Studien unterstreichen, dass die Auseinandersetzung mit dem Klima eines Unternehmens keinen Selbstzweck verfolgt. Sie dient zum einen der Förderung des Wohlergehens und der Qualität des sozialen Miteinanders innerhalb des Unternehmens. Zudem stellt ein positives Unternehmensklima eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen sowie nachhaltigen Erfolg von Unternehmen da. Das Unternehmensklima ist die treibende Kraft hinter wirtschaftlichem Erfolg – nicht umgedreht!

Anhang

Tabelle 1: Zusammenfassung der Studien

Studie Branche Messung von Klima Messung von Leistung
Winkler et al. (2012) Finanzberatung Organisationales Commitment Kundenzufriedenheit, finanzielle Leistung
Boyce et al. (2015) Automobilverkauf Mission, Konsistenz, Einbindung, Anpassungsfähigkeit Kundenzufriedenheit, Vertriebsleistung
Mathieu et al. (2015) Management-simulation Kohäsion Ergebnisse einer Management-Simulation

 

Dr. Josef A. Fischer ist Diplom Psychologe und promovierte in Betriebswirtschaft  an der Universität in St. Gallen. Er hat am Institut für systemische Beratung in Wiesloch eine Ausbildung zum Berater und Coach absolviert. Zudem ist er zertifizierter ReTeaming Coach. Aktuell ist er für einen DAX-Konzern tätig und erarbeitet unternehmensweite Strategien zur Förderung organisationaler Transformationsprozesse. Davor war er als Senior Consultant bzw. Executive Coach einer Schweizer Managementberatung tätig. Er ist Autor zahlreicher Studien und Artikel in den Themenbereichen Leadership, Unternehmensklima, Arbeitgeberattraktivität und Hochleistungsteams.

E-Mail: josef.a.fischer@web.de

 

Literatur

Barrick, M. R., Thurgood, G. R., Smith, T. A., & Courtright, S. H. (2015). Collective organizational engagement: Linking motivational antecedents, strategic implementation, and firm performance. Academy of Management Journal58(1), 111-135.

Bosco, F. A., Aguinis, H., Singh, K., Field, J. G., & Pierce, C. A. (2015). Correlational effect size benchmarks. Journal of Applied Psychology100(2), 431-449.

Boyce, A. S., Nieminen, L. R., Gillespie, M. A., Ryan, A. M., & Denison, D. R. (2015). Which comes first, organizational culture or performance? A longitudinal study of causal priority with automobile dealerships. Journal of Organizational Behavior, 36(3), 339-359.

Bruch, H. & Fischer, J. A. (2014). Mit Energie und Engagement im Unternehmen den Wettbewerb gewinnen. Trendstudie 2014. Überlingen.

Bruch, H., Fischer, J. A. & Färber J. (2015). Arbeitgeberattraktivität von innen betrachtet – eine Geschlechter- und Generationenfrage. TOP JOB Trendstudie 2015. Konstanz.

Denison, D. R. (1996). What is the difference between organizational culture and organizational climate? A native’s point of view on a decade of paradigm wars. Academy of Management Review, 21(3), 619-654.

Grant, A. M. (2011). How customers can rally your troops. Harvard Business Review.

Heerwagen, S. (2017) Kulturentwicklung als Wettbewerbsvorteil. Teil 2: Wenn jetzt, wie dann? system worx White Paper. München.

Judge, T. A., Thoresen, C. J., Bono, J. E., & Patton, G. K. 2001. The job satisfaction-job performance relationship: A qualitative and quantitative review. Psychological Bulletin, 127(3): 376-407.

Leipoldt, T. (2017) Kulturentwicklung als Wettbewerbsvorteil Teil 1: Wenn nicht jetzt, wann dann? system worx White Paper. München.

Mathieu, J. E., Kukenberger, M. R., D’Innocenzo, L., & Reilly, G. (2015). Modeling reciprocal team cohesion–performance relationships, as impacted by shared leadership and members’ competence. Journal of Applied Psychology100(3), 713-734.

Meyer, G. J., Finn, S. E., Eyde, L. D., Kay, G. G., Moreland, K. L., Dies, R. R., Eisman, E. J, Kubiszyn, T. W. & Reed, G. M. & Reed, G. M. (2001). Psychological testing and psychological assessment: A review of evidence and issues. American psychologist56(2), 128.

Schein, E. H. (2010). Organizational culture and leadership (Vol. 2). John Wiley & Sons.

Schmitz, A. & Ahlers, A. (2016). Engagement zahlt sich aus. Personalwirtschaft, 2, 42-44.

Schneider, B., Ehrhart, M. G., & Macey, W. H. (2013). Organizational climate and culture. Annual Review of Psychology, 64, 361-388.

Winkler, S., König, C. J., & Kleinmann, M. (2012). New insights into an old debate: Investigating the temporal sequence of commitment and performance at the business unit level. Journal of Occupational and Organizational Psychology85(3), 503-522.

Wright, T. A., & Cropanzano, R. (2000). Psychological well-being and job satisfaction as predictors of job performance. Journal of Occupational Health Psychology5(1), 84-94

 

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